Seit November vergangenen Jahres denkt die Post laut darüber nach, ob sie ihre Mehrheit von 50 Prozent und einer Aktie an der Postbank verkaufen soll. Und mit jedem Tag wächst die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt. Unter welches Dach es gehen könnte, darüber gibt es immer wieder neue Berichte. Wie die lange Diskussion um den Postbank-Verkauf die Angestellten verunsichert.
BONN. "Dann bin ich kein Kunde mehr.“ Diesen Satz hat Sabine May (Name geändert) noch am Tag zuvor gehört – denn es ist ihr Job, sich um Anfragen und Reklamationen bei der Postbank zu kümmern. Mit „dann“ meinte der Kunde den Verkauf der Bank. Und tatsächlich könnte Sabine May ihm so einiges antworten. Etwa, dass auch sie sich nichts lieber wünscht, als dass die Deutsche Post sich entscheidet, ihren Anteil an der Postbank nicht zu verkaufen. Dass sie seit Monaten Angst um ihren Arbeitsplatz hat – wie so viele andere Kollegen um sie herum. Und dass es lähmt, wie das Kaninchen vor der Schlange zu hocken und zu warten, bis sie zubeißt. Stattdessen erklärt sie dem Kunden freundlich, dass ja noch nichts entschieden sei und er doch bitte den über Jahre guten Service der Bank bedenken solle.
Seit November vergangenen Jahres denkt die Post laut darüber nach, ob sie ihre Mehrheit von 50 Prozent und einer Aktie an der Postbank verkaufen soll. Einen sogenannten Datenraum, in dem sich potenzielle Käufer die Bücher der Postbank anschauen können, richtet sie gerade ein. So schwindet die Hoffnung der Postbanker, im wohligen Schoß der Deutschen Post zu bleiben, mit jedem Tag. „Jeder rechnet mittlerweile damit, dass verkauft wird“, sagt May mit einem traurigen Lächeln. „Und jeder denkt im Moment an sich, wie er seinen Status erhalten kann.“ Namen wie „Drecompost“ für ein Dreiergebilde aus Dresdner, Commerz- und Postbank machen auf den Fluren der Postbank die Runde. Besonders in den Filialen ist die Unsicherheit groß. „Die Dresdner Bank hat viel schönere Filialen – da können unsere doch gut zugemacht werden“, heißt es hinter vorgehaltener Hand sarkastisch. Gewerkschaften und Betriebsrat wollen vor allem eine „Drecompost“ verhindern. „Wir sind gegen einen Verkauf, aber vor allem sind wir gegen das drohende Dreierbündnis, das einen massiven Personalabbau bedeuten würde“, sagt der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Torsten Schulte.
„Im Moment dominieren Angst und Verunsicherung in der Postbank“, beschreibt der Vize-Vorsitzende der Kommunikationsgewerkschaft DPV, Karlheinz Vernet Kosik, die Stimmung. „Die Beschäftigten spüren vor Ort Dinge, die auf den Verkauf hinlaufen.“ So ziemlich jede Neuorganisation verbinden die Postbanker – ob gerechtfertigt oder nicht – derzeit mit dem Verkaufsprozess. Längere Öffnungszeiten, ein stärker leistungsabhängiges Weihnachtsgeld für Beamte oder die Ausgliederung von Abteilungen in Postbank-Töchter wie etwa zum Juli in das Betriebscenter für Banken (BCB). Alles, um die Braut aufzuhübschen? „Da haben wir schon zum Teil gedacht, aha, das machen die doch, um beim Verkauf besser dazustehen“, meint May.

