30 Jahre lang ist die Welt von Postgiroamt und Postsparbuch nun schon die Welt von Sabine May. Eine Ausbildung zur Bankkauffrau hat die Postbankerin mit den blitzenden blauen Augen aber nicht. Und da geht es ihr wie vielen anderen. Denn die Postbank ist ein Exot unter den Banken mit einer ganz eigenen Geschichte, die auch viele der Beschäftigten zu Exoten in der Bankenwelt macht.
Ziemlich genau 100 Jahre ist es her, dass der Reichstag beschließt, einen Postüberweisungs- und -scheckverkehr zu starten. Im Januar 1909 nehmen 13 Postscheckämter ihren Dienst auf. 30 Jahre später folgt das Postsparbuch, mit der sich Postsparkasse zur Bank des kleinen Mannes entwickelt. Eine eigenständige Bank ist die Postbank dagegen erst seit gerade einmal 18 Jahren – und so haben die wenigsten im Konzern eine Banklehre. Einige haben sie in den vergangenen Jahren nachgeholt, viele andere haben sich aber ohne formale Qualifikation mit dem Wandel des Instituts mitgewandelt. Umso größer deshalb jetzt die Angst: „Was, wenn die Leute des Käufers reinkommen in die Bank?“, fragt May. „Die haben doch alle eine Bankausbildung.“
Die Tarifstruktur der Postbank ist eine andere als bei den übrigen Banken: In unteren Lohngruppen verdienen die Beschäftigten mehr, in den oberen weniger. Eine weitere Besonderheit sind die Beamten – rund 7 600 der 26 000 Beschäftigten. Undenkbar bei einer anderen Bank im Land. Undenkbar auch, dass andere Banken Briefmarken und Ökostrom verkaufen, zwei Minuten im Schnitt für einen Kunden brauchen, 80 Prozent der Bankgeschäfte im Stehen erledigen. „Die Postbank ist nur interessant für jemanden, der bereit ist, dieses Geschäftsmodell zu akzeptieren", meint Unternehmensberater Guido Merz von Oliver Wyman. Doch irgendwoher müssen die Synergien ja kommen, die die Bankstrategen derzeit berechnen. Alles beim Alten zu lassen, ist da auch keine Option. Und so ist Postbankerin May überzeugt: „Wir können nicht damit rechnen, dass wir bleiben.“
Abwarten ist angesagt. Und auch um die Beschäftigten herum stockt so einiges. Strategisch wichtige Entscheidungen liegen auf Eis – ebenso kleinere Entscheidungen etwa über Investitionen in moderne Informationstechnik. Eine Abwanderungswelle gibt es nicht. Aber gute mobile Finanzberater etwa, deren Zahl Postbankchef Wolfgang Klein aufstocken will, sind auch nicht zu bekommen bei einem Institut, dessen Zukunft in den Sternen steht. Klein selbst treibt deshalb zur Eile bei der Entscheidung über einen Verkauf.

