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21.07.2008 
Subprime-Virus

Die Aufräumarbeiten sind in vollem Gang

von Nicole Bastian und Peter Köhler

Niemand hätte im letzten Sommer gedacht, dass die Finanzkrise die Märkte ein Jahr später noch so fest im Griff halten würde, wie sie es derzeit tut: Rund um den Globus müssen Banken ihr Kapital noch immer um Milliarden erhöhen - gleichzeitig kürzen sie Dividenden und stellen sich auf geringere Einnahmen ein. Eine Zwischenbilanz.

FRANKFURT. In den USA wird der Hypothekenfinanzierer Indymac verstaatlicht - die drittgrößte Bankenpleite in der Geschichte des Landes. Und der Staat muss die beiden US-Hypothekenriesen Fannie Mae und Freddie Mac abschirmen, um Tumulte an den Finanzmärkten zu vermeiden.

Längst hat das Subprime-Virus das Ursprungsland Amerika verlassen. Weltweit sind die Kreditinstitute und Finanzdienstleister von den Wertberichtigungen in Milliardenhöhe infiziert. In Dänemark etwa muss die Regionalbank Roskilde aufgefangen werden, die noch bis Anfang Juli von der Ratingagentur Moody's mit der Bonitätsnote A2 eingestuft wurde. In Spanien geht der Immobilienkonzern Martinsa Fadesa pleite, und hierzulande werden die privaten Großbanken und die öffentlich-rechtlichen Landesbanken zum Halbjahr nochmals hohe Wertberichtigungen bilanzieren müssen.

Rund um den Globus müssen Banken ihr Kapital noch immer um Milliarden erhöhen - gleichzeitig kürzen sie Dividenden und stellen sich auf geringere Einnahmen ein. "Die Krise wird uns mit Sicherheit noch 2009 beschäftigen", sagt der Vorstandschef der österreichischen Raiffeisen Zentralbank RZB, Walter Rothensteiner. Aber wirklich wissen, wann sie vorüber ist, könne derzeit niemand. Das Vertrauen der Banken untereinander werde zwar schrittweise wieder besser, aber die Zinsen, die sich die Banken untereinander in Rechnung stellten, würden gerade bei längerfristigen Geldern nicht so schnell sinken.

Zudem bestehe die Gefahr, dass über Sekundäreffekte - wie eine schlechtere Konjunktur in den USA und Europa - weitere Belastungen auf die Branche zukommen, sagt Rothensteiner. Denn mit einer schlechteren Wirtschaftsentwicklung sinken die Ratings der Unternehmen. Deshalb müssten die Banken automatisch mehr Eigenkapital zurückstellen in einer ohnehin angespannten Kapitalsituation. "Noch sind wir nicht so weit, aber das ist durchaus möglich", sagt der RZB-Chef.

"Der Kapitalbedarf im Bankensektor wird unseres Erachtens anhaltend hoch bleiben", schreibt Analyst Ralf Burmeister von der Landesbank Baden-Württemberg in einer Studie. Doch die Krise sei mittlerweile in einem neuen Stadium: Mit den jüngsten Übernahmen in der Bankenbranche zeichne sich ab, dass neben dem Abschreibungsbedarf jetzt auch Übernahmen und damit künftige Erträge in den Vordergrund rückten. "Dies werten wir als positiv", schreibt Burmeister. Denn so könnten stärkere Banken die nötigen Abschreibungen der schwächeren Institute schultern und langfristig durch die Übernahme ihre Marktposition und ihre Margen verbessern.

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