So beginnt sich der Aufräumprozess im Jahre Zwei der Krise abzuzeichnen. Die französische Crédit Mutuel kaufte erst vor wenigen Tagen der kapitalschwachen Citigroup
ihre deutsche Tochter Citibank ab. Und die ertragsstarke spanische Großbank Santander
will mit der Übernahme der britischen Hypothekenbank Alliance & Leicester
ebenfalls zu den Krisengewinnlern zählen. Weitere Übernahmen werden folgen, da sind sich die Analysten einig - nicht zuletzt in Deutschland. Mit der Postbank
und der Dresdner Bank stehen schließlich zwei prominente Adressen zum Verkauf.
Andere Banken oder Finanzinvestoren gründen Fonds, die genau in die Problemwertpapiere investieren, die andere verkaufen müssen. So berichtete die krisengeschüttelte Mittelstandsbank IKB
unlängst, sie habe eine knappe Milliarde Euro an problematischen Wertpapieren in kleinen Tranchen abgeben können. Und der Hedge-Fonds Xerion von Perella Weinberg Partners erzielte im bisherigen Jahresverlauf sogar ein Gewinnplus von 24 Prozent durch Investments in notleidende Firmen. Die Spezialisten teilten am vergangen Freitag mit, man stehe auch mit Finanzierungen bereit, sollten die Banken in der Wall Street keine Kredite mehr geben. Mitten im Aufräumprozess bilden sich so neue Märkte - die Krise als Chance.
Allerdings werden sich die internationalen Aufseher und die Notenbanken nach dem Desaster nicht allein auf die Marktkräfte verlassen. Dies haben auch die Banken erkannt und wollen deshalb mit einem eigenen Gremium zur Marktbeobachtung und einem Verhaltenskodex früher als bisher auf künftige Turbulenzen reagieren. Entsprechende Empfehlungen hat jetzt der Internationale Bankenverband (IIF) vorgelegt. Ziel sind ein besseres Risikomanagement und mehr Transparenz bei komplizierten Produkten. Auch soll eine Managerbezahlung vermieden werden, die zu übertriebener Risikobereitschaft führt. Mit den Vorschlägen will die Bankenbranche einer weltweit schärferen Regulierung entgehen. Diese Auseinandersetzung zwischen Mobilisierung der Selbstheilungskräfte und schärferen Regeln von außen hat sich über die vergangenen Monate aufgeschaukelt und dürfte die Akteure noch weit ins nächste Jahr hinein beschäftigen. Fest steht: "Unter den erschwerten Kapitalmarktbedingungen kommt einem effizienten und vorausschauenden Risiko-, Liquiditäts- und Kapitalmanagement der Banken eine noch größere Bedeutung zu", sagt Andrea von Schnurbein, Director im Team der deutschen Bankenanalyse von Fitch Ratings in Frankfurt.
So lautet die Zwischenbilanz nach einem Jahr: Die Aufräumarbeiten rücken nach den Abschreibungen immer stärker in den Fokus. Sie werden der globalen Kreditwirtschaft ein neues Gesicht geben.

