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28.03.2006 

Eines hat sich bei den Wallenbergs nie verändert. Man springt nicht auf schnell fahrende Züge einfach auf: Erst wird eine Situation genauestens analysiert und dann gehandelt. Für Schnellschüsse sind die Wallenbergs und ihre Unternehmen nicht zu haben. Doch für ihr langes Zaudern wurden die SEB-Aktionäre bisweilen hart bestraft. Jacob Wallenberg bedauert denn auch, dass sich die Zeiten geändert haben. „Vor 100 Jahren konnte ein Individuum mit einer guten Idee ein Vermögen verdienen. Meine Vorväter gründeten eine Bank, über die sie gute Ideen finanzieren konnten. So schufen sie ihr Vermögen.“ Aber nur wenige wollten heute noch Verantwortung übernehmen und langfristig investieren. Die kurze Perspektive sei immer mehr ausschlaggebend, das sei schade.

Doch für die SEB gelten die Wallenbergschen Gesetze bis heute: Das Institut gibt sich traditionell und kundennah, versucht aber gleichzeitig mit der Zeit zu gehen. Heute ist die SEB mit einer Bilanzsumme von umgerechnet rund 200 Mrd. Euro und einem Nettoergebnis im vergangenen Jahr von 1,2 Mrd. Euro zwar nur die viertgrößte Bank in Schweden, aber vermutlich die einflussreichste. Und das, obwohl das Wallenbergsche System mit seinen feudalen Zügen Risse bekommen hat. Es funktioniert eben immer noch das enge Kontaktnetz zu Politik und Wirtschaft, das den Wallenbergs seit mehr als einem Jahrhundert zu Macht und Einfluss verholfen hat. Doch die Zeiten haben sich verändert, die Konkurrenz schläft nicht.

Die SEB muss sich der internationalen Konkurrenz stellen. Deshalb hat die Bank früher als viele ihrer Konkurrenten reagiert: Als eines der ersten Institute in Europa setzte die SEB konsequent auf das Internet-Banking und konnte so viel größeren Konkurrenten Marktanteile abjagen. Beim elektronischen Devisenhandel war sie ebenfalls ein Vorreiter. Gleichzeitig sah die Bank früh die Möglichkeiten, die das neue Europa nach dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion bot.

Durch Übernahmen stieg die SEB bereits zu einem Zeitpunkt in Osteuropa ein, als die meisten Konkurrenten noch selig schliefen. Heute ist sie eine der führenden Banken in den baltischen Ländern und hat im vergangenen Jahr mit der Agio Bank ein ukrainisches Institut übernommen. Auch dort will sie kräftig wachsen. Mittlerweile steuert das Auslandsgeschäft rund die Hälfte des Gewinns bei. Die amtierende SEB-Chefin Annika Falkengren hat Nordeuropa, das Baltikum und Deutschland als die Kernmärkte identifiziert.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Schwieriges Geschäft in Deutschland

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