Simon Maughan arbeitet als Head of European Bank Research bei der Dresdner KW. Im Interview spricht er über die Zukunft der HSBC.
Handelsblatt: Anders als andere Großbanken sorgt HSBC kaum für negative Schlagzeilen. Wie kommt das?
Simon Maughan: Das hat mehrere Gründe. Erstens verhalten sich die Spitzenmanager konservativ und umsichtig. Sie schauen erst auf die Risiken eines Geschäfts, bevor sie die Chancen untersuchen. Dieser Ansatz hilft, negative Überraschungen zu vermeiden. Zweitens hält das Management zusammen, was auch historische Gründe hat. Einst führten internationale Offiziere das Institut, das hat die Bank über Jahrzehnte geprägt. Auch heute achtet das Spitzenteam auf einen Corpsgeist und Manager, die stärker die Interessen ihrer Gruppe im Blick behalten als ihre eigenen.
Wie wirkt sich der Wechsel an der Spitze von Sir John Bond zu Stephen Green im Mai aus?
Geringer als manche heute erwarten. Die Bank hat sich bereits vor einigen Jahren unter Bond strategische Ziele bis ins Jahr 2008 gesetzt. Diesen Zielen hat Green zugestimmt, und er wird sie weiter verfolgen. Auch dahinter steckt Absicht: Der Wechsel des Spitzenpersonals soll in der Mitte einer strategischen Periode erfolgen, um Stetigkeit zu garantieren.
Wo drohen HSBC die größten Gefahren in Zukunft?
Eine Rezession in den USA würde die Bank stark treffen, weil HSBC mit dem Konsumfinanzierer Household dort ein großes Geschäft besitzt. Früher war die Bank stets stark von Krisen in Schwellenländern betroffen, der Argentinien- und Asienkrise etwa. Das wird auch diesmal nicht anders sein, wenn etwas in Schwellenländern geschieht.
Wann wird das Institut wieder in größerem Umfang zukaufen?
Wir gehen davon aus, dass HSBC noch in diesem Jahr eine Privatkundenbank in den USA kauft. Das Volumen dürfte dabei ein bis zwei Milliarden Dollar übersteigen.
Die Fragen stellte Felix Schönauer.

