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02.01.2008 
Investmentbanken

Die besten Deals laufen in Moskau

von Robert Landgraf und Hans G. Nagl

Kräftiges Ertragswachstum in Russland und dem Nahen Osten: Die Staaten profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Rohstoffen und dem Rekordhoch des Ölpreises. Neue Regionen locken die Investmentbanken - und könnten in den kommenden Jahren Ertragsrückgänge in etablierten Märkten mehr als ausgleichen.

Russland wird für Investmentbanken immer attraktiver. Foto: ArchivLupe

Russland wird für Investmentbanken immer attraktiver. Foto: Archiv

FRANKFURT. "Russland und der Nahe Osten sind die Regionen, die das Wachstum treiben", sagt Hermann Prelle, bei UBS einer der beiden Chefs des europäischen Investment-Bankings. "Wir sind mit unserer Entwicklung in Russland sehr zufrieden." Auch für Asien seien die Aussichten gut. Prelle macht aber auch klar, dass die neuen Regionen - insbesondere Russland - extrem anspruchsvoll für Investmentbanken sind: "Zeit zum Ausruhen bleibt aber nicht, der Markt entwickelt sich ungeheuer schnell."

Wachstumschancen sieht man auch bei Morgan Stanley. Dirk Notheis, Co-Chef des deutschen Investment-Bankings, geht davon aus, dass die Zahl der Transaktion mit Beteiligung von Russland und den Golfstaaten erheblich ansteigen wird. "Deswegen pilgert die gesamte globale Bankengemeinde in diese Länder, um von dem erwarteten Geschäft zu profitieren."

Sowohl Russland als auch die Staaten des Nahen Ostens profitieren von der wachsenden Nachfrage nach Rohstoffen - der Ölpreis hat jüngst Rekordstände erreicht. Alleine den arabischen Golf-Anrainerstaaten fließen so Tag für Tag mindestens 1,4 Mrd. Petrodollar in die Kassen. Und Russland kassiert derzeit alle 24 Stunden um die 600 Mill. Euro aus den Ölgeschäften.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein gewichtiges Wort mitreden.

"Russland und die Golfstaaten werden künftig ein noch stärkeres Wort bei der Entwicklung der Weltwirtschaft mitsprechen, meint Morgan-Stanley-Banker Notheis. Dabei geht es nicht nur um Staatsfonds, die sich wie zuletzt etwa bei namhaften US-Banken mit Beteiligungen engagieren. Auch Branchenschwergewichte aus den Regionen dürften sich vorwagen. Damit sind nicht nur Energieversorger wie Gazprom aus Russland gemeint. Vielmehr verfügen beispielsweise Dubai mit Emirates und Abu Dhabi mit Etihad Airways über schlagkräftige Fluglinien. Telekomanbieter wie MTC aus Kuweit könnten bei Konsolidierungsfragen ebenso ein gewichtiges Wort mitreden. Hinzu kommt, dass die neuen Märkte sich öffnen und damit für westliche Investoren immer interessanter werden. Erst vor wenigen Wochen hatte Carlyle, eines der größten Private-Equity-Häuser der Welt, den Nahen Osten zur neuen Spielwiese ausgerufen.

Für die Investmentbanker, deren etablierte Märkte wie Westeuropa nur noch geringe Wachstumsraten und häufig hohen Margendruck aufweisen, ein Glücksfall. Welches Potenzial noch in den neuen Regionen steckt, zeigen die Zahlen des Datenanbieters Dealogic. So kletterte 2007 der Gebührenpool (Fees) der Investmentbanken im Nahen Osten - inklusive Saudi-Arabien - um rund die Hälfte. Per Mitte Dezember belief sich das Gesamtvolumen auf 1,17 Mrd. Dollar. Ähnlich stark legte Russland zu, wo sich der Gebührentopf auf 1,79 (2006: 1,16) Mrd. Dollar belief. Zum Vergleich: In Deutschland kam man zwar auf 3,92 Mrd. Dollar. Doch das Wachstum blieb Dealogic zufolge unter einem Prozent.

Die Aufholjagd der neuen Märkte dürfte sich im kommenden Jahr womöglich noch beschleunigen. "Das Fee-Volumen im Nahen Osten wird sich 2008 verdoppeln", prophezeit Prelle. "Für den russischen Markt gehen wir im kommenden Jahr von einem Plus in der Größenordnung von 30 bis 50 Prozent aus." Die Zeiten einer unipolaren Welt seien vorbei, neue Märkte auf dem Vormarsch.

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