"Russland und die Golfstaaten werden künftig ein noch stärkeres Wort bei der Entwicklung der Weltwirtschaft mitsprechen, meint Morgan-Stanley-Banker Notheis. Dabei geht es nicht nur um Staatsfonds, die sich wie zuletzt etwa bei namhaften US-Banken mit Beteiligungen engagieren. Auch Branchenschwergewichte aus den Regionen dürften sich vorwagen. Damit sind nicht nur Energieversorger wie Gazprom
aus Russland gemeint. Vielmehr verfügen beispielsweise Dubai mit Emirates und Abu Dhabi mit Etihad Airways über schlagkräftige Fluglinien. Telekomanbieter wie MTC aus Kuweit könnten bei Konsolidierungsfragen ebenso ein gewichtiges Wort mitreden. Hinzu kommt, dass die neuen Märkte sich öffnen und damit für westliche Investoren immer interessanter werden. Erst vor wenigen Wochen hatte Carlyle, eines der größten Private-Equity-Häuser der Welt, den Nahen Osten zur neuen Spielwiese ausgerufen.
Für die Investmentbanker, deren etablierte Märkte wie Westeuropa nur noch geringe Wachstumsraten und häufig hohen Margendruck aufweisen, ein Glücksfall. Welches Potenzial noch in den neuen Regionen steckt, zeigen die Zahlen des Datenanbieters Dealogic. So kletterte 2007 der Gebührenpool (Fees) der Investmentbanken im Nahen Osten - inklusive Saudi-Arabien - um rund die Hälfte. Per Mitte Dezember belief sich das Gesamtvolumen auf 1,17 Mrd. Dollar. Ähnlich stark legte Russland zu, wo sich der Gebührentopf auf 1,79 (2006: 1,16) Mrd. Dollar belief. Zum Vergleich: In Deutschland kam man zwar auf 3,92 Mrd. Dollar. Doch das Wachstum blieb Dealogic zufolge unter einem Prozent.
Die Aufholjagd der neuen Märkte dürfte sich im kommenden Jahr womöglich noch beschleunigen. "Das Fee-Volumen im Nahen Osten wird sich 2008 verdoppeln", prophezeit Prelle. "Für den russischen Markt gehen wir im kommenden Jahr von einem Plus in der Größenordnung von 30 bis 50 Prozent aus." Die Zeiten einer unipolaren Welt seien vorbei, neue Märkte auf dem Vormarsch.

