Die Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, kurz GLS, ist Deutschlands größte ethisch-ökologische Bank – und längst kein Amateurverein mehr. Die Geldprofis nutzen professioneller als andere den Öko-Trend aus.
Seit selbst Lebensmittel-Discounter auf Bio setzen, glauben auch die Banken an die Branche. Foto: dpa
FRANKFURT. Die Luft ist feucht und kühl. Ein beißender Geruch nach Desinfektionsmitteln liegt im Raum. Tageslicht dringt kaum herein. Maschinen rattern so laut, dass die wenigen Arbeiter ihr eigenes Wort kaum verstehen. Dutzende stählerne Bottiche sind durch verschlungene Rohre miteinander verbunden. Industriefeeling pur. Eine Milchfabrik wie jede andere.
Aber nicht ganz, denn durch die Leitungen fließt kein gewöhnlicher Joghurt, sondern Bio-Milch, Öko-Rohrzucker, Bio-Obst und -Saft. Die Molkerei Söbbeke im westfälischen Gronau ist eine von 40 in Deutschland, die Rohstoffe von Landwirten verwenden, die ihr Vieh artgerecht halten, auf Medikamente weitgehend verzichten und nur ökologisch angebautes Futter verwenden.
Nur naheliegend, dass sich Söbbeke auch bei der Geldbeschaffung einen besonderen Lieferanten gesucht hat. "Ich wollte, dass mein Unternehmen durch und durch alternativ ist", sagt Unternehmenschef Paul Söbbeke, "und nicht nur der Joghurt." Seine Kredite holt er sich von der Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken, kurz GLS - Deutschlands größte ethisch-ökologisch orientierte Bank. Über 4 000 Kredite in Höhe von rund 395 Millionen Euro hat die GLS vergeben. Das Geld fließt nur in Einrichtungen, "die ökologische, soziale oder kulturelle Ziele verfolgen", wie es im Leitbild der Bank heißt. Ein Autozulieferer oder ein Chemiehersteller bekommt in der Regel kein Geld von der GLS Bank.
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Schwer würde das allerdings auch für Söbbeke - nämlich dann, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten geriete. Denn der Zweiklang "Leihen und Schenken" täuscht leicht darüber hinweg, dass die GLS zwar ökologisch orientierte Firmen finanziert, dabei jedoch genauso harte Kriterien anlegt wie konventionelle Institute.
Bei der Genossenschaftsbank aus Bochum arbeiten keine Amateure, sondern Geldprofis, die wissen, dass sie bei einem Kunden wie Söbbeke kaum etwas falsch machen können. Seit Paul Söbbeke die Molkerei auf Bio-Produkte umgestellt hat, wächst der Betrieb jährlich um 20 bis 30 Prozent und kommt heute auf 80 Millionen Euro Jahresumsatz. Und ein Ende des Wachstums ist nicht abzusehen, Bio-Produkte liegen im Trend. Die GLS gehört zu den Gewinnern des von Fleischskandalen und der Angst vor dem Klimawandel angeheizten Trends. Sie investiert ihr Geld in boomende Branchen, vergibt Kredite nur, wenn es sich lohnt, und hält sich aus riskanten Geschäften heraus.
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