In diesem Jahr haben die – zumeist ausländischen – Finanzinvestoren in Deutschland schwer eingekauft: Lindes Gabelstapler-Sparte, den Autovermieter Europcar, den Motorenbauer MTU Friedrichshafen oder auch den Raststätten-Betreiber Tank & Rast. Und wen übernehmen die Private-Equity-Häuser im kommenden Jahr?
Die Linde-Staplersparte Kion war die größte Übernahme durch einen Finanzinvestor in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland. Foto: dpa
FRANKFURT. Kurz vor Weihnachten haben die Private-Equity-Häuser noch einmal die Muskeln spielen lassen. Die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Permira kaufen für gut drei Mrd. Euro die Senderkette Pro Sieben Sat 1, und der amerikanische Beteiligungsfonds Cerberus schnappte sich nach einem heftigen Bietergefecht das viertgrößte österreichische Kreditinstitut, die gewerkschaftseigene Bawag. Bereits vor vier Wochen hatten die Finanzinvestoren wieder für Furore gesorgt, als KKR und Goldman Sachs für vier Mrd. Euro die Gabelstaplersparte von Linde ersteigert hatten.
Ob dieser Kaufrausch auch im kommenden Jahr anhält, wird derzeit in der Branche kontrovers diskutiert. Thomas Krenz, Deutschland-Chef von Permira, gibt sich optimistisch: „Ich schätze, dass es auch in 2007 bis zu acht große Transaktionen in Deutschland geben wird“, sagte er dem Handelsblatt. Trotz der restriktiven „Squeeze-out“-Regelungen, die die Rechte der Kleinaktionäre schützt, werde in den kommenden Jahren sicherlich ein Dax-Konzern von Private-Equity-Investoren angesprochen. „Im Vergleich zur Transaktions-Dynamik in anderen europäischen Märkten ist Deutschland immer noch ein Schlusslicht“, meint Krenz, der zu den Pionieren im deutschen Beteiligungsmarkt zählt.
Dagegen glaubt Jens Tonn, Deutschland-Statthalter des Private-Equity-Hauses Candover, an eine leichte Abkühlung bei den Mega-Deals im deutschsprachigen Raum. „Viele Restrukturierungen sind bereits vollständig oder in Teilen durchgeführt worden. Die Konzerne verspüren zurzeit weniger Druck, ihr Portfolio zu optimieren“, so Tonn. Deshalb seien 2007 „keine großen Konzernabverkäufe“ zu erwarten. Auch andere Beteiligungsmanager sagen, nach Pro Sieben Sat 1 sei die „Pipeline“ an potenziellen Mega-Deals hier zu Lande „fast leer.“
So sind die Prognosen für 2007 also eher gemischt. Fest steht aber, dass das zu Ende gehende Jahr noch einmal in jeder Hinsicht neue Rekorde für die Beteiligungsfonds bringen wird. Sie haben sich endgültig neben den öffentlichen Börsen und den Banken als „dritte Macht“ etabliert. Ihr Geschäftsmodell, mit dem Geld institutioneller Stiftungen und Pensionskassen in großem Stil Unternehmen zu kaufen und zu optimieren, kennt offenbar keine Grenzen. Bis zum Ende des dritten Quartals haben die Finanzinvestoren laut Thomson Financial alleine in Europa fast 800 Deals abgeschlossen, im Jahr 2001 waren es nur rund 50 gewesen. Die neu zugeflossenen Eigenkapitalmittel werden 2006 den Rekord des Vorjahres – 2005 wurden in Europa 72 Mrd. Euro in die Fonds gesteckt – deutlich übertreffen. Da die Spitzenfonds mittlerweile im zweistelligen Milliardenbereich angekommen sind, rücken Transaktionen von bis zu 50 Mrd. Euro in den Bereich des Möglichen. Einen Vorgeschmack gab dieses Jahr die Übernahme der US-Krankenhauskette HCA für 33 Mrd. Dollar. Da die Fonds nur 20 bis 30 Prozent Eigenkapital einsetzen und den Rest der Kaufpreise über derzeit billige Kredite finanziert werden, ist die Feuerkraft der Finanzinvestoren um ein Vielfaches höher, als die nominalen Fondsgrößen vermuten lassen.
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