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19.12.2006 
Finanzinvestoren

Die dritte Macht am Markt

von Peter Köhler

In diesem Jahr haben die – zumeist ausländischen – Finanzinvestoren in Deutschland schwer eingekauft: Lindes Gabelstapler-Sparte, den Autovermieter Europcar, den Motorenbauer MTU Friedrichshafen oder auch den Raststätten-Betreiber Tank & Rast. Und wen übernehmen die Private-Equity-Häuser im kommenden Jahr?

Die Linde-Staplersparte Kion war die größte Übernahme durch einen Finanzinvestor in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland. Foto: dpaLupe

Die Linde-Staplersparte Kion war die größte Übernahme durch einen Finanzinvestor in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland. Foto: dpa

FRANKFURT. Kurz vor Weihnachten haben die Private-Equity-Häuser noch einmal die Muskeln spielen lassen. Die Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Permira kaufen für gut drei Mrd. Euro die Senderkette Pro Sieben Sat 1, und der amerikanische Beteiligungsfonds Cerberus schnappte sich nach einem heftigen Bietergefecht das viertgrößte österreichische Kreditinstitut, die gewerkschaftseigene Bawag. Bereits vor vier Wochen hatten die Finanzinvestoren wieder für Furore gesorgt, als KKR und Goldman Sachs für vier Mrd. Euro die Gabelstaplersparte von Linde ersteigert hatten.

Ob dieser Kaufrausch auch im kommenden Jahr anhält, wird derzeit in der Branche kontrovers diskutiert. Thomas Krenz, Deutschland-Chef von Permira, gibt sich optimistisch: „Ich schätze, dass es auch in 2007 bis zu acht große Transaktionen in Deutschland geben wird“, sagte er dem Handelsblatt. Trotz der restriktiven „Squeeze-out“-Regelungen, die die Rechte der Kleinaktionäre schützt, werde in den kommenden Jahren sicherlich ein Dax-Konzern von Private-Equity-Investoren angesprochen. „Im Vergleich zur Transaktions-Dynamik in anderen europäischen Märkten ist Deutschland immer noch ein Schlusslicht“, meint Krenz, der zu den Pionieren im deutschen Beteiligungsmarkt zählt.

Dagegen glaubt Jens Tonn, Deutschland-Statthalter des Private-Equity-Hauses Candover, an eine leichte Abkühlung bei den Mega-Deals im deutschsprachigen Raum. „Viele Restrukturierungen sind bereits vollständig oder in Teilen durchgeführt worden. Die Konzerne verspüren zurzeit weniger Druck, ihr Portfolio zu optimieren“, so Tonn. Deshalb seien 2007 „keine großen Konzernabverkäufe“ zu erwarten. Auch andere Beteiligungsmanager sagen, nach Pro Sieben Sat 1 sei die „Pipeline“ an potenziellen Mega-Deals hier zu Lande „fast leer.“

So sind die Prognosen für 2007 also eher gemischt. Fest steht aber, dass das zu Ende gehende Jahr noch einmal in jeder Hinsicht neue Rekorde für die Beteiligungsfonds bringen wird. Sie haben sich endgültig neben den öffentlichen Börsen und den Banken als „dritte Macht“ etabliert. Ihr Geschäftsmodell, mit dem Geld institutioneller Stiftungen und Pensionskassen in großem Stil Unternehmen zu kaufen und zu optimieren, kennt offenbar keine Grenzen. Bis zum Ende des dritten Quartals haben die Finanzinvestoren laut Thomson Financial alleine in Europa fast 800 Deals abgeschlossen, im Jahr 2001 waren es nur rund 50 gewesen. Die neu zugeflossenen Eigenkapitalmittel werden 2006 den Rekord des Vorjahres – 2005 wurden in Europa 72 Mrd. Euro in die Fonds gesteckt – deutlich übertreffen. Da die Spitzenfonds mittlerweile im zweistelligen Milliardenbereich angekommen sind, rücken Transaktionen von bis zu 50 Mrd. Euro in den Bereich des Möglichen. Einen Vorgeschmack gab dieses Jahr die Übernahme der US-Krankenhauskette HCA für 33 Mrd. Dollar. Da die Fonds nur 20 bis 30 Prozent Eigenkapital einsetzen und den Rest der Kaufpreise über derzeit billige Kredite finanziert werden, ist die Feuerkraft der Finanzinvestoren um ein Vielfaches höher, als die nominalen Fondsgrößen vermuten lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Geld ist im Überfluss vorhanden.

Wer wen gekauft hat. Die Top-Deals der Finanzinvestoren in Deutschland. Grafik: HandelsblattLupe

Wer wen gekauft hat. Die Top-Deals der Finanzinvestoren in Deutschland. Grafik: Handelsblatt

„Aufgrund der guten wirtschaftlichen Rahmendaten erwarten wir für das Jahr 2007 eine Steigerung bei der Zahl der Unternehmen, die von den Vorteilen einer Eigenkapitalfinanzierung profitieren“, glaubt Holger Frommann, Geschäftsführer des deutschen Beteiligungsverbandes BVK. Allerdings denkt er dabei nichts so sehr an die Mega-Deals, sondern an das breitere Marktsegment. „Kontinuierliche Zuwächse sind bei den kleinen und mittleren Buyouts im klassischen deutschen Mittelstand zu erwarten“, so Frommann. Der Mittelstand sei weiter bestrebt, seine künftige Finanzierung zu gestalten, und Beteiligungskapital und eigenkapitalähnliche Mittel etablierten sich dabei als wesentliche Bausteine. Das volkswirtschaftlich wichtige Marktsegment der Gründungsfinanzierungen in Deutschland bleibe dagegen schwierig. Hier sehen Branchenbeobachter eher die staatliche KfW als Treiber.

Einig sind sich alle Akteure, dass der Schlüssel für die weitere Entwicklung der Private-Equity-Branche bei den institutionellen Geldgebern liegt. So lange sie ein Mehrfaches ihrer eingesetzten Mittel zurückbekommen, ist ein stetiger Zufluss für die Branche sicher. Derzeit ist die Stimmung gut, es gibt mehr als genug Geld für die marktführenden Fonds im Mega-, Mid- oder Small-Cap-Bereich. „Für 2007 erwarte ich ein insgesamt positives Umfeld, welches sich im Verlauf des Jahres allerdings eintrüben könnte“, sagt Claus Felder, Deutschland-Chef von Doughty Hanson. Branchenbeobachter und die Ratingagenturen sehen vor allem in der hohen Schuldenlast der Portfoliounternehmen und in den ausufernden Fremdfinanzierungen ein Gefahrenpotenzial. Bei steigenden Zinsen könnten viele Investments in die falsche Richtung laufen.

Delistings, glaubt Felder, werden auch im Jahr 2007 ein Thema sein. Dabei stehe außer Frage, dass im Rahmen des bestehenden gesetzlichen und regulatorischen Umfeldes in Deutschland solche Transaktionen, bei denen Unternehmen von der Börse genommen werden, schwierig blieben. „Das aktuelle Beispiel Techem zeigt allerdings, dass Investoren heute eher gewillt zu sein scheinen, überraschende und letztlich ’unfreundliche’ Übernahmeofferten zu starten“, hat Felder beobachtet. Dieser Trend könne sich in der nahen Zukunft, wenn auch nicht übermäßig, verstärken.

Spezialisierung auf Sanierungsfälle

Peter Laib, Managing Director bei der schweizerischen Adveq, sieht 2007 vermehrte Chancen im Bereich „Distressed Equity“ – also für Fonds, die sich auf Sanierungen und Turnarounds spezialisiert haben. „Entsprechendes Know-how ist nach wie vor bei spezialisierten Managern in den USA zu finden, die vermehrt auch in Europa auftreten“, so Laib.

Johannes Huth, Europa-Chef von KKR, skizzierte jüngst die wichtigsten Herausforderungen für die Branche – abseits der wachsenden Fonds- und Dealgrößen. Dazu zählt er den politischen Dialog, um die Akzeptanz der Branche zu erhöhen und eine zunehmende Diskussion um die Rolle der Private-Equity-Häuser als Arbeitgeber. Huth warnt vor einer exzessiven Fremdfinanzierung – in Zukunft werde die Wertsteigerung nicht mehr über das bloße „financial engineering“ erreicht, sondern über Verbesserungen des operativen Geschäfts und der Wettbewerbsposition der übernommenen Firmen. Die nächsten Jahre stünden klar unter der Überschrift der „industrial value creation.“

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