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22.02.2008 
Private-Equity-Branche

Die fetten Jahre sind vorbei

von Hans G. Nagl

Milliardendeals, exzessive Verschuldungsgrade und Traumrenditen - die als "goldene Ära" gepriesene Boom-Phase der Private-Equity-Branche gehört seit dem Sommer des letzten Jahres der Vergangenheit an. Auf dem Kongress "Super Return", dem Weltgipfel der Heuschrecken-Branche, ist die Feierlaune verflogen - an ihre Stelle treten Normalität und Realismus.

Die Goldene Ära der Private-Equity-Branche ist vorbei. Foto: dpaLupe

Die Goldene Ära der Private-Equity-Branche ist vorbei. Foto: dpa

FRANKFURT. Auf dem Weltgipfel der Heuschrecken-Branche sind wieder einmal alle da. David Rubenstein, Mitbegründer der Private-Equity-Ikone Carlyle. Oder Leon Black von Apollo. Auch Johannes Huth, Europachef von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gibt sich einmal mehr die Ehre. Trotzdem steht die Super-Return-Konferenz in der kommenden Woche dieses Mal unter einem völlig anderen Vorzeichen als die letzte. Dass die Veranstaltung 2008 nach kurzem Exil in Frankfurt wieder nach München zurückkehrt, spielt dabei die geringste Rolle. Vielmehr hat die Finanzkrise auf einen Schlag die Stimmung eingetrübt. Auch wenn es viele noch nicht so recht wahrhaben wollen und lieber von einer "Normalisierung" sprechen: Seit dem Sommer ist die von Rubenstein als "goldene Ära" gepriesene Boom-Phase vorbei. Mit ihr sind die Milliarden-Deals verschwunden, die exzessiven Verschuldungsgrade und die Traumrenditen. Vielleicht haben ja auch deshalb alle Zeit, nach München zu kommen. "Zu tun gibt es derzeit eh nicht so viel", sagt ein hochrangiger Banker.

Es sind kleinere Brötchen, die derzeit gebacken werden. Vor nicht einmal einem Jahr noch konnte ein Konsortium um KKR und TPG den 45 Mrd. Dollar schweren Kauf des texanischen Kraftwerksbetreibers TXU stemmen, und damit einen Rekord setzen. Heute frohlockt die Branche schon, wenn wie vor wenigen Tagen der britische Müllentsorger Biffa für umgerechnet rund 1,6 Mrd. Euro an den Finanzinvestor Montagu geht. Schließlich musste Cerberus Ende vergangenen Jahres wegen Finanzierungsproblemen die vier Mrd. Dollar schwere Übernahme der Leasingfirma United Rentals abblasen. "Wir zählen derzeit die einzelnen Transaktionen", heißt es in der Branche.

Auch hierzulande schaut es mau aus. Die Übernahme von SAG (Solarstrom) durch EQT und der Kauf des Klinikbetreibers Casa Reha durch HG Capital blieben deutlich unter einer Mrd. Euro Transaktionsgröße. Nach Zahlen des Datenanbieters Thomson brach das Volumen von Private-Equity-Übernahmen in Europa in den ersten sechs Wochen des neuen Jahres um 63 Prozent ein. Große neue Deals zeichnen sich kaum ab. Der Verkauf der Baustofftochter Xella durch den Handelskonzern Haniel könnte 2008 eine der wenigen Transaktionen im Milliardenbereich werden.


Tabelle  Infografik: Weniger Übernahmen.


Hauptgrund ist die seit Monaten herrschende Angst institutioneller Investoren vor Private-Equity-Krediten - so genannten LBO-Finanzierungen. Wurden diese noch vor einem Jahr von Hedge-Fonds, Pensionskassen und Versicherern mit Heißhunger aufgenommen, bleiben die Banken heute auf den Krediten sitzen. Und werden vorsichtig, weil sie nun das Risiko selbst tragen müssen. Die Folgen für die Finanzinvestoren sind massiv.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Ende der großen Transaktionen.

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