Milliardendeals, exzessive Verschuldungsgrade und Traumrenditen - die als "goldene Ära" gepriesene Boom-Phase der Private-Equity-Branche gehört seit dem Sommer des letzten Jahres der Vergangenheit an. Auf dem Kongress "Super Return", dem Weltgipfel der Heuschrecken-Branche, ist die Feierlaune verflogen - an ihre Stelle treten Normalität und Realismus.
FRANKFURT. Auf dem Weltgipfel der Heuschrecken-Branche sind wieder einmal alle da. David Rubenstein, Mitbegründer der Private-Equity-Ikone Carlyle. Oder Leon Black von Apollo. Auch Johannes Huth, Europachef von Kohlberg Kravis Roberts (KKR) gibt sich einmal mehr die Ehre. Trotzdem steht die Super-Return-Konferenz in der kommenden Woche dieses Mal unter einem völlig anderen Vorzeichen als die letzte. Dass die Veranstaltung 2008 nach kurzem Exil in Frankfurt wieder nach München zurückkehrt, spielt dabei die geringste Rolle. Vielmehr hat die Finanzkrise auf einen Schlag die Stimmung eingetrübt. Auch wenn es viele noch nicht so recht wahrhaben wollen und lieber von einer "Normalisierung" sprechen: Seit dem Sommer ist die von Rubenstein als "goldene Ära" gepriesene Boom-Phase vorbei. Mit ihr sind die Milliarden-Deals verschwunden, die exzessiven Verschuldungsgrade und die Traumrenditen. Vielleicht haben ja auch deshalb alle Zeit, nach München zu kommen. "Zu tun gibt es derzeit eh nicht so viel", sagt ein hochrangiger Banker.
Es sind kleinere Brötchen, die derzeit gebacken werden. Vor nicht einmal einem Jahr noch konnte ein Konsortium um KKR und TPG den 45 Mrd. Dollar schweren Kauf des texanischen Kraftwerksbetreibers TXU stemmen, und damit einen Rekord setzen. Heute frohlockt die Branche schon, wenn wie vor wenigen Tagen der britische Müllentsorger Biffa
für umgerechnet rund 1,6 Mrd. Euro an den Finanzinvestor Montagu geht. Schließlich musste Cerberus Ende vergangenen Jahres wegen Finanzierungsproblemen die vier Mrd. Dollar schwere Übernahme der Leasingfirma United Rentals
abblasen. "Wir zählen derzeit die einzelnen Transaktionen", heißt es in der Branche.
Auch hierzulande schaut es mau aus. Die Übernahme von SAG (Solarstrom) durch EQT und der Kauf des Klinikbetreibers Casa Reha durch HG Capital blieben deutlich unter einer Mrd. Euro Transaktionsgröße. Nach Zahlen des Datenanbieters Thomson brach das Volumen von Private-Equity-Übernahmen in Europa in den ersten sechs Wochen des neuen Jahres um 63 Prozent ein. Große neue Deals zeichnen sich kaum ab. Der Verkauf der Baustofftochter Xella durch den Handelskonzern Haniel könnte 2008 eine der wenigen Transaktionen im Milliardenbereich werden.
Infografik: Weniger Übernahmen.
Hauptgrund ist die seit Monaten herrschende Angst institutioneller Investoren vor Private-Equity-Krediten - so genannten LBO-Finanzierungen. Wurden diese noch vor einem Jahr von Hedge-Fonds, Pensionskassen und Versicherern mit Heißhunger aufgenommen, bleiben die Banken heute auf den Krediten sitzen. Und werden vorsichtig, weil sie nun das Risiko selbst tragen müssen. Die Folgen für die Finanzinvestoren sind massiv.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Ende der großen Transaktionen.
"Ich glaube nicht, dass wir große Transaktionen so bald wiedersehen werden", sagt Martina Ecker, in leitender Funktion bei der US-Investmentbank Jefferies. "Im mittleren Segment gibt es hingegen durchaus Transaktionen." Die Unternehmensberatung KPMG geht sogar davon aus, dass Deals bis 400 Mill. Euro an Bedeutung gewinnen werden.
Doch wirklich helfen dürfte das kaum. Denn alleine in Europa wurden 2006 mehr als 230 Mrd. Euro für neue Private-Equity-Fonds eingesammelt. Die Finanzinvestoren stehen unter einem enormen Druck, das Geld anzulegen. Gleichzeitig verlangen die Banken mehr Eigenkapitaleinsatz und die Zahl der Übernahmeziele schrumpft. Denn mit der drohenden Abkühlung der Wirtschaft sinkt die Unternehmensbewertung - und damit auch die Bereitschaft, einen Geschäft zu verkaufen. Ein Phänomen vor allem im Mittelstand. Die zentrale Folge liegt auf der Hand. "Es wird schwierig, die Renditen der vergangenen Jahre aufrecht zu erhalten", sagt KPMG-Partner Christian Specht.
Aber auch die ein oder andere Transaktion aus der Vergangenheit dürfte Sorgen bereiten. Standard & Poor?s warnt, dass wegen der zuletzt hohen Schulden der gekauften Firmen das Risiko von Zahlungsverzügen steigt. Etwa die Hälfte der Portfolio-Firmen in Europa hinkten den aggressiven Geschäftsprognosen hinterher und kämen beim Schuldenabbau nicht wie geplant voran. Soll die Pleite vermieden werden, muss der Finanzinvestor frisches Kapital nachschießen - wie kürzlich KKR bei der Autowerkstatt-Kette ATU. Ähnliches droht Branchenkreisen zufolge beim Folienhersteller Klöckner Pentaplast, der im Mai 2007 von Blackstone
gekauft wurde.
Kaum ein Branchenkenner zweifelt noch daran, dass die Zeiten härter werden. Auch wenn man sich derzeit noch bemüht, neue Geschäftschancen aufzutun. Gerade osteuropäische Länder wie Ungarn, Rumänien oder auch die Türkei würden derzeit von den Fonds entdeckt, sagt KPMG-Partner John Evans. Zugleich dürften viele Häuser mangels attraktiver Übernahmeziele auch verstärkt ein Auge auf börsennotierte Firmen werfen. Und so hofft beispielsweise Jefferies-Bankerin Ecker darauf, dass der sich abzeichnende Abschwung eher eine Normalisierung des überhitzten Marktes ist. "Wir werden nicht erneut so Jammer-Jahre wie 2002 oder 2003 sehen", ist sie überzeugt. Angesichts der nach wie vor drastischen Scheu der Banken bei der Finanzierung neuer Übernahmen geben sich jedoch andere skeptischer. So meint ein Private-Equity-Manager: "Das scheint mir eher das berühmte Pfeifen im dunklen Wald zu sein."

