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13.12.2007 
Peter Höppe, Münchener Rück

„Die Folgen des Klimawandels managen“

von Klaus Stratmann

Peter Höppe ist Head of Geo Risks Research bei der Münchener Rück. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, wie der Klimawandel die Arbeit der Versicherer und Rückversicherer verändert – und warum er auch eine Chance für die deutsche Wirtschaft bedeuten kann.

Sind die Risiken des Klimawandels überhaupt kalkulierbar?

Wir stehen schon seit längerem vor einer neuen Situation. Es reicht nicht aus, auf die Erfahrungen der Vergangenheit zu bauen. Die Versicherungswirtschaft hat sich allerdings vor allen anderen Branchen mit dem Thema befasst. Daher kennen wir die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken mittlerweile recht genau und können sie entsprechend managen.

Muss es nicht darum gehen, den Klimawandel zu bekämpfen statt nur seine Folgen in den Griff zu bekommen?

Mittlerweile ist unbestritten, dass wir zunächst Anpassungsstrategien fahren müssen, um die Auswirkungen zu bewältigen, weil der Klimawandel nicht rasch zu stoppen sein wird. Daher sehen wir unsere Hauptaufgabe darin, die Folgen zu managen.

Wir können den Kampf gegen den Klimawandel also aufgeben und uns auf die Schadensbeseitigung konzentrieren?

Keinesfalls. Wir müssen parallel zur Schadensbekämpfung dafür sorgen, dass wir den Klimawandel stoppen. Dafür sind die hoffentlich guten Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Bali eine entscheidende Grundlage.

Glauben Sie denn, dass Bali einen Fortschritt bringt?

Ich bin da durchaus optimistisch. Zwar wird der Gipfel nicht mit konkreten Reduktionszielen enden. Er könnte aber eine solide Basis für weitere Verhandlungen bringen. Bereits im Vorfeld des Gipfels hat Australien mit der Ratifizierung des Kyoto-Protokolls ein entscheidendes Signal gegeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die USA auf Dauer isoliert bleiben wollen.

Sind pauschale Reduktionsziele der richtige Weg? Bundeskanzlerin Angela Merkel schlägt vor, Pro-Kopf-Ziele zu definieren. Was halten Sie davon?

Das ist als Denkmodell auf Dauer gesehen die einzig faire Lösung. Einen rechnerischen Wert von zwei bis drei Tonnen pro Kopf und Jahr halte ich für vernünftig.

Derzeit überschreiten die US-Bürger diesen Wert um den Faktor zehn, die Deutschen immerhin um den Faktor fünf. Lässt sich ein Pro-Kopf-Wert überhaupt durchsetzen?

Natürlich nicht von heute auf morgen. Niemand verlangt von den Industriestaaten, dass sie den Wert sogleich einhalten , und ebenso kann von Schwellenländern nicht erwartet werden, ihre Entwicklung zu stoppen . Es geht um einen langfristigen Anpassungsprozess für alle. Und darin liegen durch höhere Energieeffizienz und den nötigen Ausbau neuer Technologien auch erhebliche Chancen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie der Klimawandel neue Geschäftsfelder eröffnet

Zurück zum Geschäft: Wie verändert der Klimawandel die Arbeit der Versicherer und Rückversicherer?

Wir verzeichnen seit den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Verdreifachung der großen wetterbedingten Naturkatastrophen. Die erhöhte Schaden er wartung bei tropischen Wirbelstürmen zum Beispiel schlägt sich natürlich in Preis und Bedingungen für Versicherungen nieder. Das gilt insbesondere für Gebäude in Küstennähe.

Sie verdienen also am Klimawandel?

Die Versicherung von Naturkatastrophen gehört zu unserem Kerngeschäft, und das Versicherungsgeschäft muss natürlich profitabel sein, um betrieben werden zu können. Wir berücksichtigen die Effekte des Klimawandels natürlich in unserem Geschäft, aber wir verdienen nicht anders als in anderen Versicherungsfeldern daran. Je mehr wetterbedingte Naturkatastrophen es gibt, desto gravierender wirkt sich dies für die Versicherungswirtschaft aus. Solche Trends müssen wir prospektiv erkennen und im Geschäft berücksichtigen.

Eröffnet der Klimawandel auch neue Geschäftsfelder?

Ja. Ein Beispiel: Unternehmen, die im Rahmen des Emissionshandels über den Clean-Development-Mechanismus Emissionszertifikate generieren wollen, indem sie in Entwicklungsländern bestimmte Projekte vorantreiben, können die damit verbundenen Risiken bei uns absichern. Außerdem sehen wir es als unsere Aufgabe an, für die ja besonders stark unter den Folgen des Klimawandels leidenden Entwicklungsländer Lösungen zu suchen, damit man dort die Schäden in den Griff bekommt. Dazu gehören etwa Mikroversicherungen für Bauern oder Kleinunternehmer, die ihre Ernte oder ihren Betrieb verlieren.

Als Rückversicherer gehören Sie zu den großen Kapitalanlegern. Welche Rolle spielt bei Ihren Investments der Klimaschutz?

Wir legen 80 Prozent des Kapitals in Unternehmen an, die in Nachhaltigkeitsindices geführt werden. Übrigens: Die Zentrale der Münchener Rück will spätestens 2009 klimaneutral sein, die weltweiten Niederlassungen folgen bis 2012.

Birgt das Thema Klimawandel für die deutsche Wirtschaft mehr Chancen oder mehr Risiken?

Es überwiegen eindeutig die Chancen. Deutsche Unternehmen sind in der Umwelt- und Klimaschutztechnik vielfach führend. Nehmen Sie zum Beispiel die Erneuerbaren Energien. Ich sehe da insgesamt ein ungeheures Potenzial.

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