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29.09.2008 
Wachovia gerät unter Druck

Die große Pleitewelle

von Matthias Eberle und Robert Landgraf

Nach dem Zusammenbruch von Washington Mutual, der größten Pleite in der US-Geschichte, steigt der Druck auf die führende US-Großbank Wachovia. Seit Jahresbeginn hat die viertgrößte US-Bank rund 75 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt.

Unter Druck: Wachovia. Foto: apLupe

Unter Druck: Wachovia. Foto: ap

NEW YORK. Nach dem Zusammenbruch von Washington Mutual (WaMu), der größten Pleite in der US-Geschichte, steigt der Druck auf die führende US-Großbank Wachovia. Sie steht nach Milliardenverlusten und einem Absturz an der Börse unter Zugzwang und spricht laut Medien mit mehreren möglichen Käufern. Zu den Interessenten zählten die US-Konzerne Citigroup und Wells Fargo sowie die spanische Banco Santander, berichteten die "New York Times" und das "Wall Street Journal" am Wochenende übereinstimmend. In der Nacht zum Freitag hatte die US-Aufsichtsbehörde OTS Washington Mutual geschlossen und damit die größte Bankpleite in den USA besiegelt.

Der dramatische Vertrauensverlust bei Banken schürt Ängste, dass auch Wachovia bei einem massiven Abzug der Kundeneinlagen aus eigener Kraft nicht überleben kann. Die Aktien der traditionsreichen Bank stürzten deshalb am Freitag mehr als 27 Prozent ab und fielen auf nur noch zehn Dollar; nachbörslich ging die Talfahrt weiter. Seit Jahresbeginn büßte die viertgrößte US-Bank rund 75 Prozent ihres Börsenwerts ein. Wachovias Verkaufsgespräche seien noch in einem "frühen Stadium", hieß es in den Medien. Experten halten es durchaus für möglich, dass Interessenten - ähnlich wie bei Washington Mutual - Wachovia zunächst bewusst ins Nichts stürzen lassen, um sich später Teile der Bank zu einem Schnäppchenpreis zu sichern. Wachovia selbst sieht derzeit keine akuten Liquiditätsprobleme. Die Führung sei überzeugt, dass keine Notwendigkeit bestehe, sich übereilt in einen Deal zu stürzen, schreibt das "Wall Street Journal".

Fusionsgespräche zwischen Wachovia und der bis vor kurzem noch reinen Investmentbank Morgan Stanley waren laut Berichten zufolge zur Wochenmitte gescheitert. Allein im zweiten Quartal hatte Wachovia wegen enormer Abschreibungen ein Rekordminus von mehr als neun Milliarden Dollar verbucht. Gemessen an den Spareinlagen von fast 400 Mrd. Dollar ist Wachovia die Nummer drei in den USA hinter Bank of America und JP Morgan Chase. Weil auch Citigroup im internationalen Maßstab deutlich größer ist, gilt Wachovia gemeinhin als viertgrößte US-Bank. Der Konzernsitz ist in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina - einem der großen Finanzzentren des Landes neben New York. Hier sitzt beispielsweise auch die Bank of America.

Das Institut, dessen Name auf die niederösterreichische Donauregion Wachau zurückgeht, entstand in mehr als 100 Jahren aus einer Vielzahl von Übernahmen und Fusionen. Im Zentrum stand in jüngerer Zeit der 2001 erfolgte Zusammenschluss mit der First Union Corp. Bei der Einkaufstour in den Boomjahren der Branche handelte sich der vermeintliche Aufsteiger Wachovia massive Probleme ein, etwa durch den rund 25 Mrd. Dollar teuren Kauf der Hypothekenbank Golden West. Auf dem Höhepunkt des US-Häuserbooms baute Wachovia dadurch das Geschäft mit Hypotheken stark aus. Allein im zweiten Quartal musste das Institut wegen enormer Abschreibungen auf sein Hypotheken-Portfolio ein Rekordminus von mehr als neun Mrd. Dollar hinnehmen.

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