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04.06.2008 
Experteninterviews zur Subprime-Krise

„Die Krise dauert Jahre, nicht Monate“

von Norbert Häring, Jens Koenen und Robert Landgraf

Die Finanzkrise ist noch lange nicht überstanden. Das ist die herrschende Meinung führender Köpfe in Wirtschaft und Finanzindustrie. Die fünf vom Handelsblatt befragten Experten warnen vor weiteren Marktturbulenzen und Risiken für die Konjunktur.

Fünf Fragen zur weltweiten Finanzkrise - 25 unterschiedliche Antworten. Bild: Archiv

Fünf Fragen zur weltweiten Finanzkrise - 25 unterschiedliche Antworten. Bild: Archiv

Handelsblatt: Liegt das Schlimmste der Finanzkrise hinter uns, oder müssen wir mit weiteren Katastrophenmeldungen rechnen?

Henning Kagermann (Vorstandssprecher von SAP): Ich sehe zurzeit keine Indizien für eine Verschärfung der Situation. Die Märkte wachsen immer weiter zusammen, und Probleme in einzelnen Regionen oder Industrien, wie jetzt der Finanzindustrie, können nie isoliert betrachtet werden. Zwischen den Marktteilnehmern ergeben sich Wechselwirkungen, gegen die allerdings niemand immun ist. Unternehmen wie SAP kommt dabei zugute, in allen Weltregionen sehr gut und ausgewogen vertreten zu sein.

Stephen King (Chefvolkswirt der größten europäischen Bank HSBC): Es gibt zwei Aspekte dieser Krise. Die Schlagzeilen drehen sich um die Krise der Banken. Doch selbst wenn diese Schlagzeilen weniger werden sollten, gibt es ein weiteres Problem, nämlich die Kreditklemme. Die Klemme resultiert aus dem Kollaps des Verbriefungsmarktes. Durch eine Kreditklemme könnte der Konjunkturabschwung in eine Rezession münden.

Klaus Müller-Peter (Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken): Es ist zu früh, jetzt schon Entwarnung zu geben, auch wenn es erste Signale gibt, dass sich die Märkte normalisieren. So sinken die Risikoprämien für strukturierte Produkte seit Mitte März, und die Preise für Verbriefungen höherer Bonität stabilisieren sich. Die Chancen einer Beruhigung der Lage steigen also. Trotzdem sind die Märkte weiterhin durch Unsicherheit gekennzeichnet. Die Talfahrt des US-Immobilienmarktes, der Ausgangspunkt der Krise, ist noch nicht gestoppt.

Kenneth Rogoff (Ökonomieprofessor in Harvard und ehemaliger IWF-Chefvolkswirt): In den USA hat die Regierung historische Garantien gegeben - mit dem impliziten Versprechen, bei weiteren Problemen noch mehr zu tun. Wenn die Immobilienpreise nochmals zehn bis 15 Prozent fallen, was ich annehme, könnten staatliche Hilfen im Volumen von 500 Milliarden Dollar oder gar Billionen Dollar in Anspruch genommen werden. Der Dollar wird dann einbrechen, die Zinsen werden in die Höhe schießen, die Krise wird wieder da sein.

Detlef Scholz (Geschäftsführer von Moody's Deutschland): Die Kreditkrise dürfte die Schlagzeilen noch einige Quartale lang beherrschen. Die Auswirkungen auf die Finanzmärkte werden aber nachlassen. Die Lehren aus der Krise werden gezogen, Anlagestrategien und Geschäftsmodelle werden angepasst. Manche haben da aber noch Nachholbedarf. Die Entwicklung im April und Mai lässt auf eine allmähliche Rückkehr des Vertrauens und der Liquidität am gebeutelten Markt für eher klassische Finanzinstrumente schließen.

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