0 Bewertungen
04.06.2008 

Wie sehr und wie lange werden Europa und USA noch unter der Krise leiden?

Kagermann: Die Finanzmärkte sind nervös, und die wirtschaftliche Lage in den Vereinigten Staaten ist sicher schwieriger geworden. Es wurden aber schon wichtige Konsequenzen ergriffen. Wir sollten nicht pessimistisch sein. Wir bemerken momentan kein Übergreifen einer Konjunkturschwäche von Amerika auf Europa oder Asien. Als global breit aufgestelltes Unternehmen sind wir auf allen Märkten aktiv - unsere Kosten und auch die Erlösbasis sind diversifiziert.

King: Meiner Einschätzung nach noch lange Zeit - eher Jahre als Monate. Wir wissen aus der Erfahrung der USA, Japans und Skandinaviens in den frühen 90er-Jahren, dass es keine schnelle Lösung für diese Probleme gibt. Wenn Schwierigkeiten der Banken, fallende Immobilienpreise und Inflationssorgen der Notenbanken zusammenkommen, dann können die verfügbaren wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen nur allmählich wirken.

Müller: Die Wirtschaft in Deutschland und der Euro-Zone wird von den Finanzmarktturbulenzen bislang kaum belastet. Für dieses Jahr erwartet der Bankenverband hierzulande 2,25 bis 2,5 Prozent Wachstum, 2009 etwas weniger. Eine Rezession in Europa befürchten wir nicht. Für die US-Wirtschaft sieht es anders aus. Trotz der kräftigen geldpolitischen Impulse und der Steuerschecks in Höhe von 170 Mrd. US-Dollar ist die Gefahr einer Rezession noch nicht überwunden.

Rogoff: Den USA stehen zwei oder drei Jahre mit deutlich unterdurchschnittlichem Wachstum bevor - nicht so sehr wegen der Finanzkrise, sondern als Gegenbewegung zum aufgeblähten Wachstum in den ersten Jahren des Jahrhunderts. Niedrige Zinsen hatten den Hauspreisboom angetrieben und die Sparquote der privaten Haushalte auf eine historisches Tief gedrückt, sogar in den negativen Bereich. Das wird jetzt korrigiert.

Scholz: Es ist schwer vorherzusehen, wie sich die verschärften finanziellen Rahmenbedingungen und die konjunkturelle Dynamik gegenseitig beeinflussen. Ein zum Teil exogener Faktor, nämlich die gestiegenen Ölpreise, könnten tatsächlich stärkere Auswirkungen haben. Es ist schwer vorstellbar, dass nicht auch die europäische Wirtschaft leidet, denn die Krise betrifft das gesamte nordatlantische Finanzsystem. Die Durststrecke dürfte aber in Europa schneller überwunden sein.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige