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04.06.2008 

Wird die Subprime-Krise die wirtschaftliche Vormachtstellung der USA schwächen?

Kagermann: Ich will das aus unserer Sicht beantworten: Die Vereinigten Staaten sind der größte Markt für Unternehmenssoftware - allerdings hat Asien die USA als Wachstumsmotor bei Unternehmenssoftware bereits abgelöst. SAP ist weltweit präsent. Im Geschäftsjahr haben wir 26 Prozent unseres Umsatzes in den USA erzielt - die höheren Wachstumsraten erwarten wir jedoch aus dem asiatisch-pazifischen Raum.

King: Wenn Ausländer sich zunehmend weigern, amerikanische forderungsunterlegte Wertpapiere zu kaufen, belastet das die US-Konjunktur. Die ökonomische Weltkarte wird aber ohnehin bereits neu gezeichnet: durch das Erstarken der Schwellenländer. Das Zentrum der wirtschaftlichen Macht verlagert sich ostwärts.

Müller: Eine Abkopplung der Weltwirtschaft von den USA wird es nicht geben. Die USA stehen für 30 Prozent des Welt-Bruttosozialprodukts. Aber das Risiko von Dominoeffekten bei einer Schwäche der US-Konjunktur ist gesunken. Denn schon seit längerer Zeit verschieben sich die wirtschaftlichen Kräfte zugunsten der Schwellenländer. Deutschland exportiert mittlerweile mehr in die vier BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China als in die USA. Im Übrigen hilft uns der Euro.

Rogoff: Auf jeden Fall, auch wenn die gesamten Auswirkungen vielleicht erst in zehn Jahren erkennbar sein werden. Das Finanzsystem der Vereinigten Staaten hat sich als weniger sicher herausgestellt, als die Welt bisher gedacht hat. Der Euro wird am Ende der größte Nutznießer sein. Wahrscheinlich wird er in seiner internationalen Bedeutung bis zum Jahr 2020 mit dem Dollar gleichgezogen haben.

Scholz: Das Wirtschaftsmodell wird auf eine harte Probe gestellt. Und es gibt Grund zu der Annahme, dass der US-Wirtschaft durch die Bereinigung der Bilanzen der privaten Haushalte eine starke Stütze genommen wird. Drei Stärken sind jedoch unverändert vorhanden: Die Anpassungsfähigkeit ist hoch, die Voraussetzungen für Produktivität, Innovation und Wettbewerb sind immer noch gegeben. Und die politische Führung ist trotz aller Kritik hervorragend.

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