Kagermann: Wie wird sich die Rolle und Bedeutung der Ratingagenturen verändern, die in der Krise in die Kritik geraten sind?
Henning: Das ist eher eine Frage an die Politik oder an die Finanzbranche selbst.
King: Die Ratingagenturen haben im Auftrag der Emittenten gehandelt. Deshalb hatten die Investoren Grund zur Skepsis. Sie wurden allerdings auch verführt von der zunehmenden Liquidität der Märkte für strukturierte Anleihen, die sie fälschlicherweise als Zeichen verminderten Risikos interpretierten. Die Ratingagenturen zu reformieren könnte nützlich sein. Aber das tiefere Problem liegt darin, einen Umgang mit dem uralten Problem der Finanzblasen zu finden.
Müller: Die Ratingagenturen haben ihre Unschuld verloren, ihnen sind schwere Fehler unterlaufen. Sie müssen alles tun, Vertrauen zurückzugewinnen. Erforderlich sind qualitative Anpassungen der Ratingverfahren und mehr Transparenz. Die von der Organisation Internationaler Wertpapieraufseher vorgeschlagenen Änderungen des Selbstverpflichtungskodexes für die Agenturen müssen umgesetzt werden - und die Einhaltung von einer unabhängigen Institution überprüft werden.
Rogoff: Die Rolle der Ratingagenturen beim Vertrieb von Subprime-Krediten ist skandalös. Ich finde es unglaublich, dass die Verantwortlichen nicht allesamt ihre Jobs verloren haben. Ich bin entschieden dafür, den Ratingagenturen jegliche Monopolrechte zu nehmen und die Branche für den Wettbewerb zu öffnen.
Scholz: Die Marktteilnehmer erwarten auch in Zukunft unabhängige Meinungen über Kreditrisiken in Form von Ratings. Sie geben einen Vergleichsmaßstab für Risiken über verschiedene Regionen und verschiedene Arten von Rentenpapieren hinweg. In Bereichen wie "Structured Finance" erwartet der Markt von Ratingagenturen zusätzliche Transparenz. Außerdem verlangt er mehr Informationen über die Ratingänderungsrisiken.

