Die vergangenen 14 Tage haben die einst so stolzen Investmentbanker in der Londoner City und an der Wall Street bescheiden werden lassen. Allen in der Branche ist klar, dass die Zeit der üppigen Bonuszahlungen erst einmal vorbei ist, und dass dem gesamten Entlohnungssystem der Banken eine tiefgreifende Reform droht.
Einstiegsporsche Cayman: Junge Investmentbanker werden ihn sich wohl in diesem Jahr nicht mehr so einfach leisten können. Foto: ap
LONDON. Mehr als 30 Mrd. Dollar schütteten die Banken an der Wall Street im vergangenen Jahr an ihre Angestellten aus. Allein Lloyd Blankfein, Chef von Goldman Sachs verdiente rund 65 Mill. Dollar. In der Londoner City gaben die Banken stolze 8,5 Mrd. Pfund für Prämien aus. Doch das sind Zahlen von gestern: In diesem Jahr rechnen die Forscher des Center for Business and Economic Research für London bislang mit einem Rückgang auf fünf Mrd. Pfund. Doch angesichts der Zuspitzung der Krise in den vergangenen Wochen wollen die Experten ihre Schätzung weiter nach unten revidieren.
Große Banken wie Goldman Sachs oder Credit Suisse haben nach den ersten neun Monaten 2008 zwischen 30 und 45 Prozent weniger Geld für die Bonuszahlungen zurückgelegt als noch vor einem Jahr. Die neuesten Schätzungen gehen davon aus, dass am Ende des Jahres der Bonuspool bei den meisten großen Instituten nur noch halb so groß sein wird wie 2007.
Der Jahresbonus ist die entscheidende Messlatte für die Leistung eines Investmentbankers. Die Grundgehälter in der Branche sind vergleichsweise bescheiden, aber in guten Jahren kann ein begabter Händler, Finanzierungsexperte oder Fusionsberater schnell in den siebenstelligen Bereich vorstoßen.
Doch jetzt müssen sich die Banker an deutlich niedrigere Prämien gewöhnen, und es droht noch größeres Ungemach, denn die Regulierer und Politiker drängen auf eine tiefgreifende Reform des Bonussystems.
Im US-Kongress fordern Abgeordnete eine Deckelung der Prämien, vor allem bei jenen Kreditinstituten, die direkt oder indirekt Hilfen vom Steuerzahler erhalten. Am weitesten hat sich der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain aus dem Fenster gelehnt: Er will das Limit für Vorstandsbezüge auf 400 000 Dollar festlegen. Kein Vorstandschef einer Bank, die Staatshilfen braucht, soll mehr verdienen als die höchsten Regierungsmitarbeiter.

