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12.10.2007 
Kreditkrise

Die Pleitewelle steht bevor

von Hans G. Nagl und Jens Koenen

Weil Banken Kredite vorsichtiger vergeben, um ihr Pulver trocken zu halten, wird die Kreditkrise nach Einschätzung von Experten zu einer Zunahme von Firmenpleiten in Deutschland führen. Treffen dürfte es vor allem Firmen, die von Private-Equity-Fonds übernommen wurden - allzuoft waren solche Deals nämlich "Schönwettermodelle".

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FRANKFURT. "Schon in den vergangenen Jahren mussten Unternehmen restrukturiert werden. Es ist zu erwarten, dass sich solche Fälle in der Zukunft häufen werden", sagt Ulrich Wlecke, Chef der auf Sanierungsfälle spezialisierten Beratungsfirma Alix-Partners in Deutschland. Ähnlich skeptisch gibt sich auch Michael Keppel, Geschäftsführer beim Konkurrenten Alvarez & Marsal: "Wir werden eine Zunahme der Insolvenzen in Deutschland sehen."

Bei Alix-Partners schätzt man das Volumen an faulen oder ausfallgefährdeten Finanzierungen - im Fachjargon "distressed debt" - allein in Deutschland auf bis zu 400 Mrd. Euro. Zwar kann niemand vorhersagen, wie viele Firmen in den kommenden Jahren zu Restrukturierungsfällen werden. Doch der Trend gilt als unbestritten. Experten verweisen nicht zuletzt auf die erwarteten Ausfallraten bei Unternehmenskrediten. Die Ratingagentur Moody?s rechnet hier bis Mitte 2009 weltweit mit einem kräftigen Anstieg auf mehr als 5,1 Prozent. Im August waren es noch lediglich 1,4 Prozent.

Vor allem Private-Equity-Fonds haben getrieben durch milliardenschwere Mittelzuflüsse kräftig Firmen übernommen. Dank einer schier unendlichen Liquidität auf den Kreditmärkten wurden diese Käufe meist in hohem Maße fremdfinanziert. Das ging so lange gut, wie die Konjunktur brummte und die Zinsen niedrig blieben. Für höhere Finanzierungskosten oder eine mögliche Abschwächung der Nachfrage waren viele der Deals der letzten zwei oder drei Jahre hingegen nicht gerüstet.

Wlecke zufolge wurde noch Anfang 2007 bei Private-Equity-Käufen im Schnitt mehr als das Neunfache des operativen Gewinns (Ebitda) für ein Unternehmen gezahlt. Bei der Verschuldung lag der Faktor - ebenfalls bezogen auf das Ebitda - mitunter beim Sechsfachen. "Das waren häufig Schönwettermodelle, die über eine hohe Verschuldung finanziert wurden, ohne dass die Finanzierung durch entsprechende Stresstests gelaufen ist", resümiert Sven Schelo, Anwalt der internationalen Sozietät Linklaters. Die Finanzkrise sorge nun dafür, dass die kranken Fälle schneller ans Tageslicht kämen.

Als so ein kranker Fall gilt beispielsweise der Autotürschloss-Hersteller Kiekert, der noch vor der Finanzkrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet. Der Private-Equity-Fonds Permira musste sich als Eigentümer verabschieden, die Gläubiger - am Ende meist Hedge-Fonds - übernahmen das Ruder und läuteten die Sanierung ein. Nicht zuletzt auf Kosten der Arbeitsplätze. Weitere Beispiele für Restrukturierungen sind der Folienhersteller Treofan oder der Bremsen-Anbieter TMD Friction.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Die Probleme bei der Refinanzierung werden sich durch alle Branchen hindurchziehen"

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