Es ist der wohl späteste Neujahrsempfang der Republik: Am Mittwochabend lud der Verband Öffentlicher Banken (VÖB) in seine Zentrale direkt am Potsdamer Platz. Im Mittelpunkt standen weniger die Anwesenden als vielmehr die Abwesenden. Denn die Finanzkrise hat die Reihen der alten Garde im VÖB gelichtet – und das Personenkarussell dreht sich weiter.
BERLIN. Fast alles, was Rang und Namen hat bei den Förder- und Landesbanken, findet sich in Berlin im fünften Stock zum Stelldichein mit Rundumblick auf Regierungsviertel und Sony
-Center. VÖB-Präsident
Siegfried Jaschinski, der erstmals die Rolle des Gastgebers übernommen hat, ist sichtlich zufrieden mit dem regen Zulauf in schweren Zeiten.
Doch das wichtigste Thema sind weniger die Anwesenden als die Abwesenden. Hat doch die Finanzkrise hat in den vergangenen zwölf Monaten die Reihen der alten Garde im VÖB dramatisch gelichtet. Jüngstes Opfer ist BayernLB-Chef
Werner Schmidt, der im Streit mit der Münchener Staatskanzlei über die Kommunikationspolitik in Zeiten von Subprime den Kürzeren gezogen hatte. Und auch der frühere WestLB -Chef
Thomas Fischer, immer ein Garant
für Anekdoten aus dem globalen Investmentbanking, darf nach den verlustreichen Aktienwetten seines Ex-Instituts nicht mehr mitfeiern. "Die Finanzkrise hat den Generationswechsel unglaublich beschleunigt, man muss sich an viele neue Gesichter gewöhnen", sagt ein Vorstand am Buffet zwischen Rinderfilet an mediterranem Schmorgemüse und Red Snapper.
Michael Kemmer, der Nachfolger von Schmidt, ist einer dieser Aufsteiger des Jahres. "Ich habe 29 Seiten Pressespiegel über mich gelesen, unglaublich", wundert sich Kemmer über seine plötzliche Prominenz. Und er hat beim Lesen ganz neue Seiten über sich erfahren. "Dass ich leidenschaftlicher Bergsteiger bin, wusste ich gar nicht. Ich gehe doch nur mal ab und zu in die Natur", sagt der hünenhafte, drahtige Banker schmunzelnd.
Und das Personalkarussell dreht sich weiter, denn WestLB-Chef
Alexander Stuhlmann wird wohl Ende April nach der Bilanzpressekonferenz sein Interimsmandat abgeben und sich wieder auf seine geliebte Insel Föhr begeben. Schon wird spekuliert, Deka-Bank
Konzernlenker Franz S. Waas könnte auf dem Schleudersitz in Düsseldorf Platz nehmen. Aber ein Landesbanker winkt ab: "Wer den Job angesichts der vielen Unsicherheiten annimmt, hätte sich doch schon per Se disqualifiziert." Gut gelaunt und über die Qualität von Schokolade sinnierend gibt sich Oberaufseher Jochen Sanio. Wochenende um Wochenende hat er geopfert, um IKB,
SachsenLB und WestLB zu retten. Ein Grund sei die "Sprengkraft der Ad-hoc-Meldung", die man lediglich samstags und sonntags unter Kontrolle habe, wenn die Kapitalmärkte ruhen. Dieses Wochenende stünde aber voraussichtlich nichts an, beruhigte Sanio die Anwesenden. Gleichsam um die Entwarnung zu untermauern, kehrt Sanio wieder zum süßen Thema zurück und outet sich als Fan von Lidl -Schokolade.
Doch so richtig wirkt die Beruhigung nicht. "Wenn die Finanzkrise weitergeht, werden wir 2009 wohl noch mehr neue Gesichter gesehen", seufzt ein Banker.

