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07.09.2006 
Interview: Bernhard Schareck, GDV-Präsident

„Die Versicherer schauen jetzt wieder auf Wachstum“

Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), geht davon aus, dass in Sachen Stellenabbau in der Branche das Schlimmste überstanden ist. Im Handelsblatt-Interview sagt er, wo das künftige Wachstum herkommen soll, die Reformdebatte in der Bundespolitik und die Folgen der Mehrwertsteuererhöhung für die Versicherungsbeiträge.

Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Foto: apLupe

Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) Foto: ap

Herr Schareck, die Versicherungswirtschaft entlässt in bisher unvorstellbarem Ausmaß Personal. Geht es der Branche so schlecht?

Nein. Die Alarmglocken klingen in der Öffentlichkeit viel zu laut und in falschen Tönen, dadurch entsteht ein zu dramatischer Eindruck.

Aber die Entlassungen sind doch bittere Realität. Worauf führen Sie diese Fakten denn zurück?

Die angekündigten Zahlen sind ausgelöst durch die Umstrukturierung einzelner Konzerne. Der Branche geht es nicht schlecht. Sie befindet sich aber auch im Um- und Aufbruch. Die Zahlen des Arbeitgeberverbandes der Versicherungswirtschaft belegen, dass in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Beschäftigten nur um 0,8 Prozent zurückgegangen ist. (im Jahr 2000 waren insgesamt 240.000 in der Assekuranz beschäftigt - Anm.der Redaktion). Entlassungen gehören nicht zum Stil der Assekuranz.

Dann hat die Branche ihren Stil vielleicht gewandelt?

Nein, schauen Sie, bisher handelt es sich ja lediglich um Ankündigungen. Betriebsbedingte Kündigungen hat die Allianz bis Ende 2007, die Karlsruher beispielsweise bis Mitte 2009 ausgeschlossen; Die Branche war stets darauf ausgerichtet, Entlassungen zu vermeiden und auf natürliche Fluktuation gesetzt.

Aber geht das bei diesen Größenordnungen noch auf die sanfte Tour?

Das ist keine sanfte Tour, aber auch kein „Hauruck-Management“. Der Arbeitgeberverband geht davon aus, dass das Schlimmste überstanden ist. In diesem Jahr soll der Stellenabbau unter den drei Prozent vom Vorjahr liegen. Außerdem verlagern die Versicherer viele Stellen aus den Verwaltungen in den Außendienst. Da entstehen viele neue Jobs. Das wird schnell übersehen.

Nun ist der Außendienst in der Regel ja selbständig, verursacht in den Unternehmen also keine Personalkosten. Die Verlagerung spart also Kosten. Geht es nicht doch um Sparzwänge?

Der Kostensatz schlägt natürlich schon auf die Prämienhöhe und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit durch. Aber die Versicherer blicken nicht bloß auf die Kosten. Bei der personellen Verlagerung spielt natürlich auch der technologische Entwicklungssprung eine bedeutende Rolle. Dadurch können die Arbeitsabläufe in den Zentralen heute ganz anders optimiert werden. Solche Umstrukturierungen muss man dann vornehmen, wenn es einem gut geht. Dann hat man das Geld dafür und das kommt letztlich auch den Mitarbeitern zu Gute. Es ist so: Der Branche geht es gut. Die Versicherer schauen jetzt wieder auf Wachstum. Das sehen Sie daran, dass viele Gesellschaften Außendienstmitarbeiter suchen. Am Markt wird das Geschäft reingeholt und dort müssen wir unsere Kundennähe verstärken.

Und wo soll das Wachstum herkommen?

Durch noch größere Markt- und Kundennähe.

Wie erklären Sie sich dann, dass Allianz & Co. zahlreiche Niederlassungs-Standorte schließen?

Mit dem technologischen Fortschritt und der Optimierung der Arbeitsabläufe, die Vernetzungen ermöglichen, ohne mit Verwaltungen überall vor Ort zu sein. Die echte Kundennähe kann nur der Außendienst-Mitarbeiter darstellen. Diese Nähe ist ohne jede Alternative.

Warum?

Wegen des zunehmenden Wettbewerbs und den wachsenden Ansprüchen der Kunden an informativer Begleitung. Darauf stellen sich die Unternehmen mit ihrer Umstrukturierung zur Zeit ein. Wenn eine Gesellschaft sich nicht darauf einstellt, ist ausreichendes Wachstum auf den umkämpften Märkten nicht mehr möglich. Die Arbeitsplätze würden immer unsicherer. Mit der Umstrukturierung hingegen erhöhen sich die Zukunftsperspektiven für alle Arbeitsplätze die bleiben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Der Wettbewerb auf dem Gebiet der Altersvorsorge wird härter.“

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