Die Zeit der Investmentbanken ist vorbei? Von wegen: Während die großen Investmentbanken in der Krise stecken, expandieren die kleinen Investmentbanken derzeit so stark wie lange nicht mehr. Wer nicht börsennotiert ist, profitiert von der Krise. Inzwischen wechseln die besten Banker zu den kleinen Geldhäusern.
Seit die großen Investmentbanken entlassen, freuen sich die kleinen über Zustrom von qualifiziertem Personal. Foto: AP
FRANKFURT. Spätestens seit der Pleite von Lehman
Brothers ist klar: Die großen Investmentbanken stecken in der Krise. Und doch es gibt Gewinner - kleine Boutiquen nutzen die Gunst der Stunde. "Wir waren uns immer darüber im Klaren, dass man gerade in einem so schwierigen Marktumfeld erst recht die Gelegenheit für Wachstum nutzen muss", sagt Colin Roy, Managing Director der börsennotierten Boutique Greenhill in Frankfurt. Die Zahl der Top-Manager hat das US-Haus deshalb seit Jahresbeginn um bis zu 40 Prozent aufgestockt.
Auch beim auf mittelgroße Unternehmen und Private-Equity-Transaktionen spezialisierten Konkurrenten Baird sieht man jetzt die Zeit für Expansion. In Deutschland sind die Amerikaner bislang mit zehn Mann vertreten. "Wir werden hier sicherlich ein paar weitere Experten an Bord nehmen", sagt Investment-Banking-Chef Steven Booth. Baird tut sich leicht: Weil die Bank nicht börsennotiert ist, kann sie sich eine langfristigere Perspektive leisten - der Krise zum Trotz.
Häuser wie Evercore, Perella Weinberg oder auch Rothschild konnten 2007 nach Zahlen des Datenanbieters Thomson 38 Prozent der weltweiten Erlöse im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) auf sich vereinen. Vor sieben Jahren war es nur 19 Prozent.
Die Krise dürfte den Trend verstärken. Denn Goldman Sachs, Citigroup
oder Morgan Stanley
kürzen drastisch. Unter den Geschassten sind Talente, die sich günstig einkaufen lassen. "Die 'Besten der Besten' werden weiter zu den kleinen Häusern strömen, wo es weniger Bürokratie und bessere Verdienstmöglichkeiten gibt", urteilen die Analysten von Wachovia
. "Gerade jetzt ist die Gelegenheit, gute Leute zu finden", bestätigt Siegfried Drueker, Deutschlandchef von Leonardo. Trotz Krise will er 2008 die Mitarbeiterzahl um sieben auf 47 steigern. Zudem hat das Vertrauen in die einst klangvollen Namen der großen Häuser tiefe Kratzer bekommen.



