Fast elf Milliarden Euro wurden in die Rettung der IKB gesteckt, nur 137 Millionen Euro zahlt nun Finanzinvestor Lone Star für die angeschlagene Mittelstandsbank. Lone-Star-Deutschlandchef Karsten von Köller erklärt im Handelsblatt-Interview, warum die IKB dennoch kein Schnäppchen ist und wie es mit der Bank weitergehen soll.
Karsten von Köller, Geschäftsführer von Lone Star Deutschland, will an der Marke IKB festhalten. Foto: dpa
Handelsblatt: Herr von Köller, Sie haben gesagt, die IKB sei kein Schnäppchen. Gemessen an fast elf Mrd. Euro Rettungssumme für die Bank erscheint der Kaufpreis von 137 Mill. Euro aber in der Tat so.
Karsten von Köller: Das stimmt. Ich gestehe zu, das ist ein Widerspruch: Man steckt als KfW acht Mrd. Euro in die Bank, rettet sie damit und dann bekommt man nur einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Aber man muss sehen, dass diese Bank mit diesen Milliardenbeträgen ja gerade einmal notdürftig stabilisiert war und immer noch Risiken in der Bank sind, die wir mit übernehmen. Die Zukunft dieser Bank ist auch mit den Rettungsmaßnahmen nicht per se gesichert.
Es muss noch Kapital reingegeben werden, die Wertpapierportfolien, die wir übernehmen, müssen erfolgreich abgearbeitet werden, es ist abzuwarten, wie Brüssel entscheidet, was uns da an möglicherweise nachteiligen wirtschaftlichen Auflagen vorgegeben wird. Die Refinanzierung der Bank muss gesichert werden. Die Ratings sind bereits abgesenkt worden. Das sind schwierige Felder, die zu bearbeiten sind. Das ist kein Schnäppchen, sonst würden wir doch nicht sagen, wir brauchen wahrscheinlich noch zwei Jahre, um die Bank nachhaltig in die Gewinnzone zu bringen.
Und was sagen Sie dem Steuerzahler, der fordert, die KfW hätte die IKB lieber selbst sanieren sollen, um einen Teil der Verluste wieder hereinzuholen?
Tja, wenn das so einfach wäre, dann sollte es so geschehen (lacht). Ich bin da ein bisschen skeptisch mit dem Selbersanieren. Dass das nicht so einfach ist, sieht man doch daran, dass keine andere Bank als Käufer angetreten ist. Wie sollte dann der Staat oder die KfW, die ja ganz andere Aufgaben hat, die personellen Ressourcen und das Knowhow haben, das wirklich zu tun? Theoretisch möglich, aber praktisch hätte es doch viele Kräfte gebunden.
Es sollen 50 Interessenten Informationsmemoranden im Verkaufsprozess abgerufen haben, und zwei sind übrig geblieben, und das waren ausgerechnet Finanzinvestoren. Keine in- oder ausländische Bank. Wenn das so ein "Schnäppchen" wäre, müssten die doch eigentlich Schlange stehen. Ich denke, das ist ein ziemlich eindeutiger Beweis dafür, dass das ein sehr risikoreiches Geschäft ist - und die KfW unter Abwägung aller Risiken eine ordentliche Lösung gefunden hat.
Ist der IKB-Kauf für Lone Star eher eine Chance oder ein Imagerisiko angesichts der Kritik an verschwendeten Steuergeldern?
Naja, die Steuergelderkritik richtet sich ja nicht gegen Lone Star und kann deshalb nicht negativ abfärben. Nachteilig im Zuge dieser Diskussion könnte aber ein Untersuchungsausschuss, über den in dem Zusammenhang derzeit gesprochen wird, für die Bank sein, die wir nun in ruhiges Fahrwasser bringen wollen. Wenn sie dann wochen- oder monatelang im Fokus der Medien steht, das fände ich nicht gut.
Und für das Lone Star-Image selbst?
Ist der Kauf der IKB, wie ich denke, eine große Chance, ein Akzeptanzbeweis. Wir haben jetzt sogar staatliche Fürsprecher dafür gewonnen, dass wir akzeptable Geschäftspartner sind.
Aber wie wollen Sie ein mittelständisches Unternehmen, die lange Jahre Kunde der IKB war und jetzt hört, dass Lone Star der neue Eigner ist, überzeugen, sein Geschäft ausgerechnet mit dieser Bank auszubauen?
Das ist eigentlich ganz einfach (lacht). Es braucht nur ein bisschen Zeit. Wir müssen den Unternehmen erläutern, was wir tun und wie wir es tun. Ich würde erklären, dass unsere Investoren - angesehene amerikanische Pensionsfonds oder Stiftungen - sehr darauf achten, wie wir ihr Geld anlegen, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch, ob wir uns an Gesetz und Ordnung halten. Unser oberstes Ziel ist im dadurch vorgegebenen Rahmen der wirtschaftliche Erfolg. Bei einer Bank ist der nur zu generieren mit den Mitarbeitern und mit den Kunden.

