Nach der Finanzkrise ist vielen Investmentbanken der Markt für Fusionen zu heikel geworden. Sie forcieren darum ihr Geschäft mit Projektfinanzierungen, meist in aufsteigenden Märkten wie China, Indien oder Russland. Der Vorteil: Die Investment sind langfristiger und sicherer, doch bieten bei weitem nicht so hohe Margen.
FRANKFURT. Der Markt für Fusionen und Übernahmen (M&A) befindet sich im Umbruch. In der Finanzkrise leidet das klassische Kerngeschäft unter einem sinkenden Volumen, dafür rücken sichere, langlebige Projekte stärker in den Fokus. Nach einer Studie des Marktforschungsinstituts Dealogic nahmen die globalen Deals in der Projektfinanzierung im ersten Halbjahr um beachtliche 40 Prozent auf 273 Mrd. Dollar zu.
Beda Wortmann, Partner bei der Kanzlei Clifford Chance, sagt in der Projektfinanzierung einen Boom voraus. „Wir haben in diesem Sektor einen sprunghaften Anstieg beobachtet.“ Auch Steve Greenwald, Chef der Projektfinanzierung bei Credit Suisse in New York, bestätigt: „Die Aussichten für die Projektfinanzierung sind aktuell äußerst gut.“
Treibende Kraft sind Schwellenländer wie Russland, Indien oder China, die Milliarden in die Modernisierung und den Aufbau von Straßen oder Kraftwerken stecken. Zudem regen die rasant steigenden Energie- und Rohstoffpreise die Investition in alternative Energien und Explorationsprojekte an. Laut der Dealogic-Studie nahm etwa allein die Projektfinanzierung im Energiesektor um knapp 30 Prozent auf 60 Mrd. Dollar zu.
Die Projektfinanzierung gilt als ein Zwitter zwischen den Bereichen Corporate Finance und Investment Banking. Für Investmentbanken ist vor allem die Beratung für die Projekte interessant. Zwar sind die Margen geringer als im M&A-Geschäft. „Aber gerade in Zeiten der Finanzkrise setzen Investmentbanken verstärkt auf Sicherheit, sprich stabile und langfristig orientierte Geschäfte“, erklärt Greenwald. In wieweit sich Investmentbanken künftig mehr auf den Projektfinanzierungssektor konzentrieren, hänge von der Philosophie des jeweiligen Instituts ab, so Greenwald. Die Beratung nimmt meist viele Jahre in Anspruch, was nicht im Interesse jeder Investmentbank liegt. Zu beobachten ist, dass viele Banken ihre Teams aufstocken. „In der Projektfinanzierung nimmt der Wettbewerb merklich zu und immer mehr Banken engagieren sich in diesem Sektor“, kommentiert Andy Jameson, Spezialist für Projektfinanzierung der Royal Bank of Scotland in London.
Ein Pluspunkt ist, dass sich die Projektfinanzierung von der Finanzkrise relativ unbeeindruckt erweist: „Langwierige Projekte werden von kurzzeitigen Konjunkturschwankungen wenig beeinflusst“, erklärt Alexander Reuter, Partner bei White & Case. Sachalin II, mit 20 Mrd. Dollar der bisher größte Deal in der Projektfinanzierung, habe beispielsweise mehrere Jahre Vorlaufzeit in Anspruch genommen.
Gänzlich unberührt von der Finanzkrise bleiben aber auch die Projektfinanzierungen nicht. Die Konditionen und Strukturen der Finanzierungspakete haben sich spürbar verändert. 2006 sei ein Großteil der Projektfinanzierungen etwa durch Bonds am Kapitalmarkt platziert worden, erläutert Heiko Nissen vom Investmentbanking der Commerzbank. „Heute wickeln wir das Geschäft auf Grund der aktuellen Kapitalmarktturbulenzen im wesentlichen wieder mittels klassischer Darlehnsfinanzierung ab.“
Insgesamt sind sich die Experten einig: Projekte zu finanzieren erfordert einen langen Atem. In Zeiten der Finanzkrise erweist sich der vermeintliche Nachteil aber als Vorteil.

