Auch unabhängige Experten sehen Raum für die Filialbanken: „In der Zukunft wird der Kunde sehr selektiv vorgehen. Er wird versuchen, ein kostenloses Girokonto bei einer Direktbank zu haben und gleichzeitig komplexere und beratungsintensive Produkte bei anderen Anbietern nachfragen“, erwartet Lars Gehner von der Unternehmensberatung Mercer Oliver Wyman.
Aus ähnlichen Überlegungen setzt die Comdirect auf die Rolle als beratende Vollbank im Internet sowie auf die Altersvorsorge als Wachstumstrend. „Die Vorsorge gehört zu den großen Trends der Zeit – auch für die Direktbanken“, sagt Carls. „Viele unserer Kunden wollen ein möglichst komplettes Leistungsspektrum.“ Dazu gehöre auch der Konsumentenkredit oder die Baufinanzierung. Beim für dem Herbst geplanten Verbraucherkredit wird die Comdirect jedoch nur als Vermittler auftreten. Für wen man die Vermarktung übernehmen werde, stehe noch nicht fest, sagte Carls.
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Die ING Diba dagegen verzichtet fast völlig auf Beratung und setzt auf die Überzeugungskraft einfacher Produkte wie der Baufinanzierung. Der Anteil der Kunden, die diese nicht unbedingt bei ihrer Hausbank abschließen wollten, liege trotz einer Steigerung um fünf auf 20 Prozent im vergangenen Jahr immer noch unter dem internationalen Niveau, sagte Tellings. „Wir werden alles tun, dass sich diese Entwicklung fortsetzt, in anderen Ländern liegt dieser Anteil schließlich bei 60 Prozent.“ Der Erfolg gibt ihm Recht: Seit 2003 steigerte die Bank ihren Marktanteil in der Baufinanzierung in Deutschland von 0,9 auf sechs Prozent.
Cortal Consors zielt dagegen weiterhin eher auf halb professionell Börsenanleger. Nachdem sie schon beim Devisenhandel eine Vorreiterrolle in Deutschland hatten, führten die Nürnberger zuletzt als erste Leerverkäufe für Privatkunden ein, die das Spekulieren auf fallende Kurse ermöglichen.
Die DAB konzentriert sich ebenfalls auf ihre angestammten Geschäftsbereiche. „Wir wollen anders als beispielsweise Comdirect keine klassische Vollbank werden. Der Schwerpunkt liegt auf den Themen Anlage und Vorsorge“, sagte Hagemann. Das Girokonto sei für ihn vor allem ein Kundenbindungsinstrument – lediglich 15 Prozent seiner Kunden wollten ein Konto.

