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04.09.2007 
Geldautomaten

Direktbanken greifen an

Den etablierten deutschen Banken gehen im Kampf mit den Direktbanken um die Privatkunden langsam die Argumente aus. Onlinebanken und kleinere Institute haben einen Weg gefunden, die flächendeckende, kostenlose Bargeldversorgung über Geldautomaten für ihre Kunden sicherzustellen.

ben FRANKFURT. ING Diba und die Volkswagen Bank führen jetzt die unbeschränkte kostenfreie Abhebung an allen Automaten weltweit via Kreditkarte ein. Damit schlagen sie der alteingesessenen Konkurrenz ein wichtiges Argument zu Kundengewinnung aus der Hand. „Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren mehrere Hunderttausend Kunden von den Vorteilen des ING-DiBa Girokontos überzeugen können“, formuliert ING-Diba-Chef Ben Telling den neuen Angriff der niederländischen Direktbank.

Derzeit beherrschen die Sparkassen sowie die Volks- und Raiffeisenbanken die größten, Ende der 70er-Jahren entstandenen Geldautomatennetze. Die privaten Großbanken schlossen sich 1998 in der Cash Group zusammen. Die restlichen Institute sind meist in dem weitaus kleineren Cashpool vertreten, der sich im Juli 2000 bildete. Innerhalb der Gruppen können Kunden eines Instituts seither die Automaten der anderen Mitgliedsbanken zumeist kostenlos nutzen. Je kleiner aber das Netz desto unbequemer ist es für den Kunden, der sich auf die Suche nach einem Automaten begeben muss. Oder er zahlt an Automaten anderer Institute hohe Fremdnutzungsgebühren, die schnell zehn Euro überschreiten können.

Die Idee zur Umgehung dieser Netze ist verblüffend einfach. Statt mit der klassischen EC-Karte können die Kunden von ING Diba & Co mit der Kreditkarte Geld kostenlos an allen kreditkartenfähigen Automaten in Deutschland abheben. Angeboten wird dieses Modell bereits seit einiger Zeit von der kleinen Berliner Direktbank DKB und seit Herbst 2006 von der Citibank. Letztere hat nach eigenen Angaben seit der Einführung im Oktober mehr als 100 000 neue Kunden gewonnen. Weitere Banken, darunter Cortal Consors, stehen in den Startlöchern um ihren Kunden Bargeldbeschaffung via Kreditkarte anzubieten.

Bisher waren Experimente zur Beendigung des Geldautomatenmonopols der etablierten Institute meist an den Kosten gescheitert. Zeitweise übernahmen kleine Banken die Fremdnutzungsgebühren ihrer Kunden. Auf Dauer wurde dies zu teuer. Eine andere Alternative wäre der Beitritt zu einem der großen Systeme. „Aber da muss ich unsere Automaten allen Kunden des Netzes kostenlos öffnen. Das ist wegen des immensen Zuwachses an Abhebungen dann auch kein gutes Geschäft“, sagte der Vorstand einer kleineren Direktbank. Als Königsweg könnte sich nun die Kreditkarte entpuppen. Dabei zahlt das ausgebende Institut einen festen Betrag je Abhebung an die Kreditkartengesellschaft. Dem Vernehmen nach liegen die Kosten im niedrigen einstellen Eurobereich.

Die Erfolgsaussichten des Modells sehen aber wegen ganz praktischer Probleme nicht alle Banken gleich optimistisch. „Für jede Abhebung braucht der Kunden die Geheimzahl seiner Kreditkarte. Mal ehrlich, wer kennt die?“, sagte der Vorstand einer mittelgroßen Bank. „Wir werden zunächst mal abwarten wie das Experiment bei der Konkurrenz läuft“, fügte er hinzu. Der ING-Diba scheint sich dieses Problems bewusst zu sein. Um ihren Kunden den Einsatz der Karten schmackhafter zu machen, zahlt sie ab einer Einzelrechnung von 20 Euro als Bonus 50 Cent.

Die Konkurrenz sieht den Angriff der Direktbanken noch gelassen. „Niemand ist so nah an den Kunden mit 16 000 Filialen und kann über ein so großes Automatennetz verfügen wie wir“, sagte eine Sprecherin des Sparkassenverbandes DSGV.

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