Diskriminierungsvorwurf: Sechs Frauen gegen die Dresdner Bank

Diskriminierungsvorwurf
Sechs Frauen gegen die Dresdner Bank

Die deutsche Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein muss sich auf einen Milliardenprozess in den USA einstellen. Sechs Mitarbeiterinnen der Dresdner-Bank-Tochter haben gestern vor einem New Yorker Bezirksgericht Klage eingereicht, weil sie sich wegen ihres Geschlechts gegenüber ihren männlichen Kollegen systematisch benachteiligt fühlen. Das bestätigte die Kanzlei Thompson Wigdor & Gilly dem Handelsblatt gestern auf Nachfrage.

LONDON. Die Anwälte beantragten im Namen der Frauen eine "Class Action" genannte Sammelklage. Lässt das Gericht diese zu, würden die sechs im Namen von Hunderten weiblichen US-Angestellten der Bank klagen, sofern diese sich nicht einzeln davon entbinden lassen (Opt-out). Der Wert der Sammelklage liegt laut Klageschrift bei 1,4 Mrd. Dollar. Die Investmentbank teilte mit, sie äußere sich nicht zu "drohenden Klagen". Man gehe jedoch davon aus, dass die Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehrten.

Klagen wegen angeblicher geschlechtlicher Diskriminierung bei Investmentbanken sind in den USA nicht selten. Deutsche Institute waren davon bislang aber kaum betroffen. Im jetzigen Fall bemängeln die Klägerinnen, Frauen hätten bei Dresdner "systematisch" geringere Karrierechancen als Männer und erhielten weniger Geld für gleiche Leistungen.

Experten zufolge sind die Erfolgsaussichten der Klägerinnen ungewiss. "Die meisten Class Actions werden früh verglichen", sagte der Partner einer renommierten Kanzlei in Deutschland - auch weil das Gericht in New York als klägerfreundlich gilt. Zudem scheuten Beklagte die Anwaltskosten, auf denen sie auch im Erfolgsfall sitzen blieben. Allerdings basierten Beförderungen oft auf individuellen Entscheidungen der Vorgesetzten. Deshalb seien Sammelklagen schwer zu rechtfertigen.

Eine der Klägerinnen ist Joanne Hart. Schon lange fühlte sich die Investor-Relations-Beauftragte von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) in New York nach eigener Aussage benachteiligt. Seit Jahren hatte sie trotz guter Bewertung ihrer Ansicht nach zu geringe Boni bekommen. Anfang des Jahres gab es erneut ein Gespräch. Ihr Vorgesetzter sagte, er könne ihr auch diesmal nur wenig bezahlen. Er müsse etwas für „die Jungspunde“ haben. Damit war für Hart das Maß voll. Sie nahm sich einen Anwalt.

Gestern beantragten Joanne Hart und fünf Kolleginnen nach Auskunft ihrer Anwälte von Thompson Wigdor & Gilly vor dem New Yorker Bezirksgericht eine Sammelklage gegen die Tochter der Dresdner Bank. „Systematische Ungleichbehandlung von Frauen“, lautet der Vorwurf. Damit muss sich zum ersten Mal eine deutsche Investmentbank an der Wall Street mit Diskriminierung im eigenen Haus auseinander setzen.

Fälle gegen Investmentbanken in der Londoner City oder in New York sind keine Seltenheit. Einigungen gibt es oft außergerichtlich. So verpflichtete sich die US-Bank Morgan Stanley vor gut anderthalb Jahren ohne Urteil, 340 Arbeitnehmerinnen 54 Mill. Dollar zu zahlen. Auch andere US-Institute einigten sich ohne Gericht. In London gewannen Frauen in Einzelklagen mitunter mehrere Millionen Pfund von ihren Ex-Arbeitgebern. Unlängst scheiterte die Ex-Merrill-Bankerin Stephanie Villalba mit einer 7,5 Mill. Pfund schweren Klage wegen sexueller Diskriminierung. Sie strebt eine Revision an.

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