Nach Einschätzung der US-Investmentbank JP Morgan dürfte die Finanzbranche weltweit in den kommenden Monaten noch massive Lasten zu schultern haben. Alleine bei mit Hypotheken unterlegten Wertpapieren habe die Finanzwirtschaft bislang mindestens 60 Mrd. Dollar an Verlusten noch nicht bekanntgegeben, sagte Analyst Christopher Flanagan.
hgn FRANKFURT. Die Schätzungen für das Banksegment der Konzernmutter Allianz – das fast identisch mit der Dresdner Bank ist – streuen ganz erheblich. So erwarten manche Experten sogar einen Gewinnanstieg, während die niedrigste Prognose von einem Quartalsverlust von 177 Mill. Euro ausgeht. „Die Dresdner Bank ist die große Unbekannte im Ergebnis des Allianz-Konzerns“, sagt Unicredit-Analyst Lucio di Geronimo.
Die Wahrscheinlichkeit von roten Zahlen bei der Dresdner im dritten Quartal ist jedoch hoch. So gehen zwölf von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten im Mittel (Median) nur noch von einem mageren Nettogewinn in Höhe von vier Mill. Euro aus. Ein Jahr zuvor hatte die Bank im Quartal noch 283 Mill. Euro verdient.
Grund hierfür ist, dass wegen der Kreditkrise für einzelne Finanzprodukte wie forderungsbesicherte Anleihen, Kreditderivate, oder Finanzierungen für Private-Equity-Fonds die Märkte deutlich eingebrochen sind. Dies wiederum führt zu Abschreibungen auf entsprechende Positionen in der Bilanz. Zum Teil lässt sich aktuell sogar überhaupt kein Preis ermitteln, was die Ermittlung der einzelnen Werte zusätzlich erschwert. Welche Dimensionen die Wertberichtigungen annehmen können, zeigte sich zuletzt bei der US-Bank Citigroup. Sie kündigte weitere elf Mrd. Euro an, nachdem bereits im dritten Quartal 6,5 Mrd. Euro abgeschrieben wurden.
Die Dresdner Bank selbst wollte sich am gestrigen Dienstag nicht zum Abschneiden im dritten Quartal äußern. Vor wenigen Tagen hatten Spekulationen die Runde gemacht, die Wertberichtigungen könnten bei den Frankfurtern sogar die Marke von einer Milliarde Euro überschreiten. Experte di Geronimo geht von rund 500 Mill. Euro aus und vermutet, dass die Bank zumindest im Eigenhandel in die Verluste gerutscht ist. Sein Kollege Roland Pfänder von Equinet hat sogar Abschreibungen von 670 Mill. Euro kalkuliert. Experten weisen darauf hin, dass der Dresdner auch wegen des Managements außerbilanzieller Zweckgesellschaften Risiken drohen könnten.

