0 Bewertungen
09.05.2008 
Überschuss bricht um zwei Drittel ein

Dresdner Bank stürzt in Verlustzone

Die Dresdner Bank bleibt in der Finanzkrise eine Belastung für den Allianz-Konzern. Der Versicherungsriese hat wegen der Finanzkrise in seinem Bankgeschäft im ersten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben.

Die Finanzmarktkrise trifft die Allianz-Tochter Dresdner Bank hart. Foto: apLupe

Die Finanzmarktkrise trifft die Allianz-Tochter Dresdner Bank hart. Foto: ap

HB MÜNCHEN. Rote Zahlen bei der Dresdner Bank und schwache Aktienmärkte haben bei der Allianz zu einem Gewinneinbruch geführt. Der Überschuss im ersten Quartal fiel um 65 Prozent auf 1,15 Mrd. Euro. Allianz-Vorstandsmitglied Helmut Perlet sagte am Freitag in München: „2008 wird ein schwieriges Jahr bleiben.“ Angesichts der Unsicherheit über die weitere Marktentwicklung und der anhaltenden Preisschwankungen bei vielen strukturierten Anleihen sei eine genaue Prognose derzeit aber nicht möglich. Die Dresdner Bank hat noch Wertpapiere in Höhe von knapp 1,9 Mrd. Euro im Handelsbuch, die als kritisch einzustufen sind. Hierzu gehören US-Hypothekenpapiere und strukturierte Anleiheprodukte (CDOs).

Beim Sorgenkind verhagelten Wertberichtigungen in Höhe von 845 Mill. Euro auf ABS-Wertpapiere das Ergebnis. Die Bank schloss das Quartal mit einem operativen Verlust von 453 Mill. Euro ab. Analysten hatten das Minus im Bankgeschäft, das weitgehend von der Dresdner getragen wird, nur auf 389 Millionen Euro geschätzt.

Der gesamte Umsatz des Allianz-Konzerns sank um sechs Prozent auf 27,7 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis sank um eine Milliarde Euro auf 1,86 Mrd. Euro - vor allem wegen der Wertberichtigungen bei der Dresdner Bank.

Die Schaden- und Unfallversicherung verzeichnete ein starkes erstes Quartal. Die Lebens- und Krankenversicherung litt dagegen ebenfalls unter der Finanzkrise. Wegen der schwachen Aktienmärkte realisierte die Allianz insgesamt 1,8 Mrd. Euro weniger Gewinn aus Kapitalanlagen. Deshalb fiel der Quartalsgewinn des Konzerns von 3,2 auf 1,15 Mrd. Euro.

Perlet sagte: „Wir bleiben mittelfristig optimistisch, denn die Kennzahlen zeigen, dass das Unternehmen in sehr guter Verfassung ist.“ Trotz einer leichten Entspannung an den US-Hypothekenmärkten und den Aktienmärkten sei ein Ende der Turbulenzen schwer vorherzusagen. „Je länger dieser Zustand anhält, desto schwieriger wird es, unser mittelfristiges Ergebnisziel zu erreichen“, sagte der Controlling-Vorstand. Die Allianz sei aber bestens positioniert für die Rückkehr normaler Marktbedingungen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Analysten: Zahlen enttäuschend

Das erste Quartal der Allianz ist nach Einschätzung eines Analysten enttäuschend verlaufen. Der Bereich Leben/Kranken leide unter einer Absatzflaute, schwierig stelle sich auch die Situation im Asset-Management dar. Das seien allerdings keine spezifischen Allianz-Probleme, sondern branchentypische Erscheinungen. Insgesamt sah der Analyst den Versicherungskonzern auf dem richtigen Weg, allerdings sei für das Erreichen der Jahresziele eine erfolgreiche Restrukturierung der Dresdner Bank und ein Anspringen des Kapitalmarktes notwendig.

Ein zweiter Analyst wies mit Blick auf die Zahlen insbesondere auf die Probleme bei der Bank- Tochter hin. Hier hätten sich der Provisionsüberschuss wie auch der Zinsüberschuss deutlich schlechter als bei den Mitbewerbern entwickelt. Das deute auf Marktanteilsverluste hin. Der Ausblick der Allianz wurde als sehr zurückhaltend beschrieben, weitere Abschreibungen seien nicht auszuschließen, hieß es.

Wann sich die Kurse an den Kreditmärkten stabilisierten, sei nicht abzusehen, erklärte der Münchener Konzern. Die Allianz bekräftigte angesichts der Verluste der Problemtochter, dass das Renditeziel für das Bankgeschäft von mindestens 15 Prozent bis 2009 nicht mehr erreichbar sei. Es sei nicht davon auszugehen, dass die Ergebnisse in diesem und nächstem Jahr so gut ausfielen, dass der Rückstand aus 2007 kompensiert werde. „Für die Zukunft“ werde eine solche Rendite auf das eingesetzte Risikokapital aber weiter angestrebt.

Die Dresdner Bank ist seit langem ein Bremsklotz für den Allianz-Konzern, der auch die mittelfristigen Gruppenziele wegen der Probleme der Tochter mittlerweile nur noch für schwer erreichbar hält. Analysten rechnen daher zunehmend damit, dass sich der Versicherer über kurz oder lang von dem Institut trennen wird. Dabei steht besonders das Privatkundengeschäft im Fokus potenzieller Interessenten, da die Bank hier weiter schwarze Zahlen schreibt. Die Allianz will diese Sparte in eine eigene Tochter auslagern. Für Dresdner Kleinwort rechnen Investmentbanker dagegen mit nur geringem Interesse.

Allianz will Dresdner Bank bis Ende August aufspalten

Die Allianz hat derweil ihre Pläne bekräftigt, die Tochter Dresdner Bank zum 31. August aufzuspalten. Dabei gehe es zunächst um die Ausgliederung der Privat- und Geschäftskundensparte in eine rechtlich eigenständige Tochter, sagte Allianz-Finanzchef Helmut Perlet am Freitag in einer Telefonkonferenz. Für die Investmentsparte Dresdner Kleinwort gebe es dagegen noch keinen konkreten Zeitplan für eine Auslagerung. Der Stellenabbau in diesem Bereich sei bereits wie angekündigt vollzogen worden. Nach früheren Angaben sollten im Investmentbanking wegen der Krise bei Dresdner Kleinwort 450 der weltweit 6000 Stellen wegfallen.

Die Allianz will laut Perlet eine aktive Rolle bei der Bankenkonsolidierung in Deutschland spielen. Die Aufspaltung gilt dabei als wichtiger Schritt, da mit einem regen Interesse insbesondere an dem Privat- und Firmenkundengeschäft der Dresdner Bank gerechnet wird.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Vorsorgen statt konsumieren  Artikel in Merkliste

04.12.2008

Dies ist keine Zeit für Anschaffungen und Vergnügungen, glauben viele Deutsche. Das geht jedenfalls aus aktuellen Umfragen hervor. Hoch im Kurs steht hingegen die Vorsorge – für schlechte Zeiten und den Ruhestand. Artikel


Anzeige