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14.04.2008 
Abspaltung des Privatkundengeschäfts

Dresdner gerät unter Zeitdruck

von Rolf Benders, Robert Landgraf und Thomas Wiede

Im Rennen um die Übernahme der Postbank könnte die Dresdner Bank wegen der Komplexität der notwendigen Restrukturierung ins Hintertreffen geraten. Die geplante Abspaltung des Privatkundengeschäfts muss nach Aussagen aus Bankenkreisen bis zum 31. August 2008 vollzogen sein. Die Muttergesellschaft Allianz arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung.

Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter will einen nationalen Champion auf die Beine stellen. Foto: dpaLupe

Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter will einen nationalen Champion auf die Beine stellen. Foto: dpa

FRANKFURT. Nur bis zu diesem Zeitpunkt könne der Geschäftsbericht 2007 als Grundlage für die Erstellung der Bilanz der neuen Einheit verwandt werden. Gelinge diese komplizierte Aktion bis dahin nicht, müsse die Bank ein knappes halbes Jahr bis zur Veröffentlichung des Geschäftsberichtes 2009 warten. Dieser wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2009 vorliegen.

Bis Anfang 2009 könnte aber der Verkauf der von vielen Konkurrenten umworbenen Postbank durch die staatlich beherrschte Deutsche Post gelaufen sein. Derzeit wird mit der Transaktion noch in diesem Jahr gerechnet. Die Dresdner Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Die seit 2001 zur Allianz gehörende Dresdner Bank hat der Münchener Muttergesellschaft nie wirklich Freude gemacht. Es gelang nie, die Bank als Vertriebsarm des Versicherers nutzbar zu machen. Zudem brachte es die Investment-Banking-Tochter Dresdner Kleinwort nie auf eine mit den Konkurrenten vergleichbare Rendite und beschert dem Mutterkonzern in der aktuellen Finanzkrise auch noch Milliardenabschreibungen.

Offenbar arbeitet die Allianz nun mit Hochdruck an einer Lösung. Dabei könnte der Privatkundenarm der Dresdner Bank mit der Postbank verschmolzen werden. Zudem soll die Beteiligung an der Dresdner Kleinwort heruntergefahren werden. Nach Aussagen auf Finanzkreisen gab es dazu bereits Gespräche mit dem russischen Marktführer Sberbank.

Bei der Dresdner in Frankfurt wird nach Aussagen von Insidern derzeit unter Führung von Bank-Chef Herbert Walter und Produktvorstand Andree Moschner fieberhaft an der Abspaltung des Geschäftes mit Privat- und Mittelstandskunden unter dem Projektnamen PCC Bank (Private Corporate Clients) gearbeitet. Das Duo will die PCC auf eine Einbringung in die Postbank vorbereiten. Als Gegenleistung soll die Dresdner eine Mehrheitsbeteiligung an der neuen Bank oder Barmittel erhalten. In jedem Fall sollen dann über die Postbank Versicherungen verkauft werden können.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was sich die Allianz von der Lösung verspricht.

Die Bonner Bank müsste sich dazu aber aus Vertriebsvereinbarungen mit der Talanx-Gruppe herauskaufen. In Finanzkreisen hieß es, die Allianz verspreche sich von dieser Lösung, dass die Massenkundschaft der Postbank für den Versicherungsvertrieb leichter zugänglich sei als die gehobenere Klientel der Dresdner Bank.

Die Allianz gilt derzeit beim Bund, der Post-Großaktionär ist, als Favorit für die Postbank. Berlin wolle neben der Deutschen Bank einen zweiten „nationalen Champion“ schaffen, heißt es. Eine mögliche Einbringung der Postbank in die Deutsche Bank oder die Commerzbank wird derzeit wegen der größeren Zahl der dann notwendigen Stellenstreichungen skeptisch gesehen. In Finanzkreisen hieß es zuletzt jedoch, sollte die Postbank an einen Konkurrenten gehen, wäre die Dresdner Bank auch bereit, PCC an einen anderen Wettbewerber zu veräußern.

Der Name Dresdner Bank könnte in Zukunft für die Investmentbank Dresdner Kleinwort reserviert bleiben, heißt es in Finanzkreisen. Ein vollständiger Verkauf gilt hier als unwahrscheinlich. Einen Anteil, möglicherweise sogar die Mehrheit zu veräußern werde jedoch erwogen. Dies dürfte aber in Zeiten der Krise, die zum Kollaps des US-Branchenriesen Bear Stearns führte, schwierig werden.

Finanzkreisen zufolge wurden zuletzt Gespräche, aber noch keine konkreten Verhandlungen mit der russischen Sberbank geführt. Diese baut derzeit in Moskau und London das Investment-Banking auf und sucht nach Verstärkung. Kritiker in Moskau äußerten jedoch Zweifel, dass das Management der schwerfälligen Sberbank für eine Großübernahme bereits gerüstet sei.

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