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03.07.2008 
Gespräche über Fusion

Dresdner und Commerzbank verhandeln intensiv

von Axel Höpner, Nicole Bastian, Robert Landgraf und Hans G. Nagl

Im Fusionspoker in der deutschen Kreditwirtschaft wird ein Zusammenschluss von Dresdner Bank und Commerzbank immer wahrscheinlicher. "Da ist erheblich Schwung reingekommen", sagte ein Insider dem Handelsblatt. Fast täglich treffen sich Finanzkreisen zufolge Managementteams, Wirtschaftsprüfer und Investmentbanker beider Seiten.

Die Zentralen von Dresdner Bank (l.) und Commerzbank in Frankfurt. Die beiden Institute kommen sich näher. Foto: apLupe

Die Zentralen von Dresdner Bank (l.) und Commerzbank in Frankfurt. Die beiden Institute kommen sich näher. Foto: ap

FRANKFURT/MÜNCHEN. Die gegenseitige Prüfung der Bücher, die seit mindestens drei Wochen läuft, werde womöglich noch im Juli abgeschlossen. Damit könnte schon im August eine Fusion verkündet werden. Nach jetzigem Stand soll auch die zur Dresdner gehörende Investmentbank Dresdner Kleinwort (DKIB) Teil des neuen Instituts werden, sagte ein Insider. "Hier geht es um das volle Package." Die Dresdner Bank, ihre Mutter Allianz und die Commerzbank lehnten eine Stellungnahme ab.

Bei einer Fusion von Dresdner und Commerzbank entstünde rechnerisch eine Bank mit einer Bilanzsumme von 1,1 Bill. Euro. Damit wäre das Institut unangefochtene Nummer zwei hinter der Deutschen Bank und hätte mit rund 1 900 Filialen in Deutschland sogar ein dichteres Netzwerk als der Branchenprimus.

Offen ist, ob bereits eine Vorentscheidung für die Kombination beider Häuser gefallen ist. Bewertungsfragen seien beispielsweise keineswegs geregelt, sagte ein Beteiligter. Einer Studie von Sal. Oppenheim zufolge könnte die Allianz, die ihr Engagement im Bankgeschäft verringern will, an dem neuen Institut nach einer Fusion einen Anteil von rund 32 Prozent halten. Damit sei das von den Münchenern anvisierte Ziel einer "Risikoverminderung" eindeutig erfüllt.

Allerdings sind Finanzkreisen zufolge weiterhin auch Santander aus Spanien oder Lloyds TSB mit im Rennen um die Dresdner. Dabei ist unklar ist, ob diese Gespräche die gleiche Intensität haben wie jene mit der Commerzbank.

Ein involvierter Banker sagte, es müsse im Interesse der Allianz sein, andere Interessenten zumindest "in der Warteschleife" zu halten.

Die zeitweise viel diskutiert "Dreier-Kombination", die die Fusion von Commerzbank, Dresdner und Postbank vorsah, ist indes vorerst vom Tisch. "Das ist extrem unwahrscheinlich", sagte ein Beteiligter. Die Postbank versucht Finanzkreisen zufolge die Gespräche mit anderen Interessenten voranzutreiben. Unter den Kandidaten seien neben der Deutschen Bank auch ING, Lloyds TSB und Santander. Die Gespräche mit ihnen würden intensiviert, dabei werde auch Zugang zu sensiblen Geschäftsdaten gewährt. Dies werde voraussichtlich noch zwei Wochen in Anspruch nehmen, hieß es.

Klar scheint allen Beteiligten, dass es bis spätestens September zu Entscheidungen kommen muss. Es gebe nur ein begrenztes Zeitfenster, sagte ein Insider. Der Schwebezustand sei weder für die Mitarbeiter noch für die Kunden auf Dauer akzeptabel. Damit dürften in den kommenden zwei Monaten zahlreiche Banker und Berater permanent auf Abruf stehen. "Das wird ein verrückter Sommer", stöhnt ein Banker.

Insider halten es aber für eher unwahrscheinlich, dass es vor den Geschäftszahlen zum zweiten Quartal noch zu Ankündigungen kommt. Die Postbank legt bereits am 30. Juli ihre Zwischenbilanz vor, die Deutsche Bank einen Tag später. Am 6. beziehungsweise 7. August folgen Commerzbank und Allianz.

Mit der offensichtlichen Fokussierung auf die Dresdner geht die Commerzbank allerdings auch ein gewisses Risiko ein. Denn nach derzeitigem Stand ist sie im Rennen um die Postbank nicht vertreten. Alternative könnte zwar die Citibank sein, wo sie Finanzkreisen zufolge zur den verbliebenen Bietern gehört. Allerdings sei das Interesse der Commerzbank nicht wirklich ernsthaft, hieß es in den Kreisen. Bis gestern Abend hatten die Bieter Zeit, verbindliche Offerten für die Citi mit ihren 3,3 Mill. Kunden und den 340 Filialen in Deutschland einzureichen. Neben der Commerzbank haben auch die Deutsche Bank, Santander und Credit Mutuel aus Frankreich den Finger gehoben.

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