Der Verkauf der Dresdner Bank entwickelt sich für die Allianz zur Nervenprobe. Nach dem vierten Quartalsverlust in Folge für das Geldhaus wird eine rasche Scheidung der siebenjährigen Ehe immer schwieriger. Um jeden Preis will die Allianz die Bank nicht verkaufen.
Sorgenkind: Die Dresdner Bank ist die einzige deutsche Geschäftsbank, die seit Beginn der Finanzkrise Verluste schreibt. Foto: ap
HB MÜNCHEN/FRANKFURT. Im aktuellen Marktumfeld sei es nicht einfach, die besten Lösungen für Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden zu finden, räumte Allianz-Chef Michael Diekmann am Donnerstag ein. Auch von Seiten potenzieller Käufer kommen angesichts der anhaltenden Finanzkrise inzwischen zurückhaltendere Töne. Die seit langem erwartete und von Investoren geforderte Neuordnung der deutschen Bankenbranche lässt damit weiter auf sich warten.
Die Dresdner Bank ist die einzige deutsche Geschäftsbank, die seit Beginn der Finanzkrise vor einem Jahr rote Zahlen schreibt. Die Gesamtbelastungen wegen der Marktverwerfungen summieren sich mittlerweile auf gut drei Mrd. Euro. Damit liegt die "grüne" Traditionsbank deutlich über den Abschreibungen des Dresdner-Interessenten Commerzbank
und der Postbank
, reicht aber an die von Branchenprimus Deutschen Bank
nicht heran.
"Die Dresdner Bank ist für die Allianz ein einziges Desaster", kritisierte Analyst Dieter Hein von Fairesearch. Bislang habe sich der 24 Mrd. Euro schwere Kauf für die Allianz nicht ausgezahlt. Dass der seit Monaten laufende Verkaufsprozess stocke, sei eine schlechte Nachricht für Investoren. "Offenbar will die Allianz immer noch zuviel haben für die Dresdner Bank", mutmaßte Hein. Analysten schätzen den Wert der Dresdner noch auf gut acht Mrd. Euro. Die Allianz werde wohl eine Garantie für Altrisiken übernehmen müssen, um die Bank loszuwerden.
Im Zeitraum April bis Juni musste die Dresdner Bank einen unerwartet hohen Nettoverlust von 545 Mill. Euro hinnehmen. Ein Jahr zuvor hatte sie noch einen Gewinn von knapp 400 Mill. Euro erwirtschaftet. Negativ zu Buche schlugen 700 Mill. Euro Abschreibungen bei der Investmentbank Dresdner Kleinwort im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Obwohl die Bank ihr Engagement in riskante Investments zurückgefahren hat, schloss Allianz-Finanzchef Helmut Perlet zusätzliche Wertberichtigungen nicht aus. Bei einem erneuten Rückgang der Kurse um etwa zehn Prozent sei mit weiteren Abschreibungen von 800 Mill. Euro im dritten Quartal zu rechnen.

