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08.09.2008 
Scheichtum

Dubai als Tor zum Mittleren Osten

von Rita Lansch

Immer mehr international tätige Versicherungskonzerne siedeln sich im Wüstenstaat Dubai an. Das Scheichtum möchte seine Abhängigkeit vom Öl verringern – und lockt die Firmen mit lukrativen Angeboten.

MONTE CARLO. „Letztes Jahr waren es noch zehn Firmen aus der Versicherungsbranche. Ende dieses Jahres werden es bereits 30 sein und 2009 kommen noch mehr dazu“, sagte George Oommen, Geschäftsführer des Dubai International Financial Center (DIFC) im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er ist mit einer fünfköpfigen Delegation nach Monte Carlo gereist, wo seit gestern eine Woche lang die wichtigsten Vertreter der internationalen Versicherungswirtschaft tagen.

Um die Abhängigkeit vom Öl zu verringern, versucht das Scheichtum Tourismus und andere Dienstleister anzusiedeln. „Das Ölgeschäft macht heute weniger als ein Prozent unseres Bruttosozialproduktes aus“, erklärt Oommen. Der Strukturwandel sorgt zudem für große Bauprojekte und Wachstum. Dank des Öls ist genug Geld da. Was fehlt sind Adressen, die die Risiken einer so rasch aufstrebenden Region tragen. „Banken übernehmen keine fremden Risiken, deshalb sind Versicherer uns so wichtig“, meint Oommen, der früher für den US-Versicherer AIG gearbeitet hat. AIG sitzt wie Allianz und Münchener Rück im DIFC.

Das DIFC ist mehr als ein riesiger Gebäudekomplex, der auf einem 110 Hektar großen Areal steht, das der Scheich gespendet hat. Das Center ist ein Staat im Staate. Innerhalb des Komplexes gilt angelsächsisches Wirtschafts- und Aufsichtsrecht; offizielle Währung ist der US-Dollar. Der vertraute Rechtsrahmen erleichtert westlichen Konzernen den Zugang zum mittleren Osten. Das kommt an: „Es gibt wesentlich mehr Nachfrage als Platz“, bestätigt ein Manager des Lloyd's-Syndikats Liberty, das den Gang nach Dubai gerade erwägt.

Dubai lockt Firmen mit freiem Kapitalverkehr, unbeschränkter ausländischer Eigentümerschaft und Steuerfreiheit von Einkommen und Gewinnen. Mehr als 700 Unternehmen haben sich registriert. Auch Assekuranz-Unternehmen richten ihr Augenmerk zunehmend auf Standortvorteile. „Den Standort Dubai wählen Versicherer in erster Linie wegen der Erschließung neuer Märkte“, sagt Wolfgang Eilers, Geschäftsführer der auf Versicherungen spezialisierten Beratungsfirma Chiltington. Dagegen sei der Standort Bermuda eher steuerlich getrieben.

Von Konkurrenz zu Bermuda will Oommen nichts wissen: „Wir bieten den einseitig auf US-Naturkatastrophen fokussierten Bermuda-Versicherern eine Diversifizierungsmöglichkeit.“ Unfreiwillige Schützenhilfe liefern ihm die Ratingagenturen. Sie drängen Bermuda-Versicherer zunehmend darauf, die Abhängigkeit vom US-Katastrophenmarkt zu verringern.

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