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07.09.2008 
Stromhandel

EEX fischt in London

von Udo Rettberg

Die Leipziger Strombörse bewirbt sich um den Aufbau des Stromhandels in Großbritannien. Dieses Segment gilt im Vereinigten Königreich als wenig entwickelt. Noch vor Ende des Monats soll eine Entscheidung der britischen Aufsichtsbehörde fallen.

Will den Sprung nach Großbritannien wagen: EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel. Foto: dpaLupe

Will den Sprung nach Großbritannien wagen: EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel. Foto: dpa

LONDON. Die Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) will in den Stromhandel am Finanzplatz London einsteigen. Wie aus Londoner Börsenkreisen verlautete, hat die EEX gemeinsam mit ihrem Großaktionär Eurex und ihrem französischen Partner Powernext eine Bewerbung für den Aufbau eines Börsenhandels mit Strom in der britischen Hauptstadt eingereicht. Dieses Segment gilt in London als wenig entwickelt. Der Chef der britische Aufsichtsbehörde FOA (Futures and Options Association), Anthony Belchambers, sagte, noch vor Ende des Monats solle eine Entscheidung im Bewerbungsverfahren fallen.

EEX-Vorstandschef Hans-Bernd Menzel setzt angesichts der guten Geschäftsentwicklung auf Expansion. "Ja, wir haben großes Interesse daran, am britischen Handelsplatz aktiv zu werden, auch weil hier viele unserer wichtigen Teilnehmer ihren Sitz haben", sagte Menzel. Die Börse hatte im ersten Halbjahr ihrem Umsatz um zwölf Prozent auf 22,5 Mill. Euro gesteigert. Der Stromhandel hatte daran einen maßgeblichen Anteil.

Auch sonst ist die EEX für den Vorstoß nach Großbritannien gut gerüstet. Sie hat gemeinsam mit Frankreichs Powernext eine Kooperation zur Gründung von Spot- und Terminbörsen für Strom abgeschlossen. Mit ihrem Großaktionär Eurex, der rund 34,7 Prozent der Anteile hält, arbeitet die EEX als größte Strombörse Europas seit geraumer Zeit im Handel von CO2-Klimaprodukten zusammen.

Man habe große Hoffnungen, dass man beim britischen Projekt gemeinsam zum Zuge komme, sagt Menzel. Dabei sind die drei Konsorten nach seinen Worten auch bereit, die niederländische APX mit ins Boot zu nehmen. Die EEX traue es sich mit ihrer Erfahrung zu, innerhalb von sechs Monaten eine elektronische Handelsplattform zu installieren.

In Großbritannien waren mehrere Versuche zur Entwicklung liquider und funktionierender Strombörsen gescheitert. Das ist überraschend, denn der Banken- und Finanzplatz London verfügt seit Jahrzehnten über eine einzigartige Expertise nicht nur im Handel mit Finanzprodukten, sondern auch mit Rohstoffen. Mehrere Strombörsen-Projekte von Terminbörsen wie ICE Futures, OM (UKPX) und APX Power UK brachten auf der Insel bisher nicht den angestrebten Durchbruch für den Börsenhandel mit Strom.

Vor diesem Hintergrund erhielt die britische Aufsichtsbehörde FOA folgenden Auftrag: Sie sollte eine liquide Börse schaffen, die durch Transaktionen möglichst vieler Akteure aus dem Finanz- und Rohstoffbereich sowie aus der stromverbrauchenden Wirtschaft auf faire Weise einen allseits akzeptierten Strompreis ermittelt. Das 2002 gegründete Power Trading Forum, bei dem Banken und Energiehändler wie zum Beispiel RWE UK an den Schalthebeln sitzen, sollte ursprünglich bis September 2007 einen Lösungsvorschlag für die Errichtung einer nach dem Auktionsprinzip arbeitenden Strombörse unterbreiten. Dieser Zeitplan wurde nicht eingehalten. Nach mehreren Verzögerungen soll aber jetzt, rund ein Jahr später, die Entscheidung fallen.

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