Auch ein Jahr nach dem Tod des langjährigen Chairman und Opus Dei-Mitglieds Luis Valls bleibt die spanische Banco Popular die effizienteste Bank in Europa. Ihr Ethos besteht weiter fort: Jeder Mitarbeiter soll sich täglich bemühen, die Arbeit so perfekt wie möglich zu machen.
MADRID. Mit einem Kostenertragsverhältnis von 31,2 Prozent setzt sie Maßstäbe. Im ersten Quartal 2007 sank die Kennzahl sogar auf 30 Prozent. Zwar verneint CFO Roberto Higuera, dass das Institut, an dem die Allianz zehn Prozent hält, von der in Spaniens Machtzirkeln überall vertretenen katholischen Prälatur Opus Dei beeinflusst würde, der Valls seit 1945 angehörte. Das Ethos der Banco Popular aber ist dasselbe: Jeder Mitarbeiter soll sich täglich bemühen, die Arbeit so perfekt wie möglich zu machen.
32 Jahre lenkte Valls die Geschicke des Finanzinstituts und machte gerade wegen dieser harten Forderung an seine Angestellte aus der drittgrößten spanischen Bank weltweit ein Vorbild an Effizienz. Selbst einer der größten heimischen Konkurrenten, die Grupo Santander, musste das eingestehen. Spanische Banken gehören inzwischen weltweit zu den rentabelsten, weil sie sich an Valls Effizienz- und Elite-Philosophie orientiert haben.
Neue Führungskräfte rekrutiert die Banco Popular wegen der geringen Fluktuation vornehmlich aus den eigenen Reihen. So auch den 44-jährigen, ehemaligen CEO und jetzigen Chairman Ángel Ron. „Dadurch sparen wir uns ein langes Anlerntraining, weil die Leute unsere Effizienz-Kultur bis in die Haarspitzen verinnerlicht haben“, sagt Finanzchef Higuera. Ron hat, wie bei Banco Popular üblich, viele Stationen durchlaufen – angefangen beim Verkauf in der Filiale.
Die Niederlassungen der Banco Popular werden inzwischen wie eigene Unternehmen geführt; ein Großteil des Gehalts der dortigen Mitarbeiter ist flexibel. Neue Technologien wurden früher als bei anderen Wettbewerbern eingesetzt. „Wir haben dort bereits seit Jahren keine Papierverwaltung mehr“, sagt Higuera. Bei der Kapitaleffizienz indes spielt die Banco Popular eher im Mittelfeld der Top 33. Dies hat mit dem begrenzten Wachstum der vorwiegend auf Spanien beschränkten Bank zu tun.
Jüngst hat die gut laufenden spanischen Wirtschaft das Geschäft gestärkt. Mit der erwarteten Abkühlung des Kredit- und Hypothekenmarktes könnte sich das aber ändern. Mario Lodos, Banken-Analyst beim Madrider Broker Ibersecurities, glaubt deswegen, dass die Banco Popular künftig stärker ins Ausland expandieren muss. Bisher ist sie außerhalb Spaniens vor allem in Portugal tätig. „Wenn hier das Geschäft zurückgeht, dann braucht sie andere Standbeine. Das geht vielleicht kurzfristig auf Kosten der Rentabilität, aber nur so kann sie vermeiden, dass sie zu einem Übernahmeopfer wird“, sagt Lodos.

