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31.03.2008 

Da dürfte Dérobert recht behalten. Umfragen belegen: Seit Jahren spricht sich eine stabile Mehrheit der Eidgenossen für die Pflicht zur Verschwiegenheit aus. Und das aus einem guten Grund: Die Bürger zwischen Basel und Chiasso profitieren selbst vom Bankgeheimnis. In Helvetiens direkter Demokratie ist die Abschaffung der Regelung ohne das Ja der Stimmberechtigten so gut wie unmöglich.

Das weiß auch Günter Woernle. Kaum einer kennt die Genfer Finanzwelt so gut wie er. Jahrelang schrieb Woernle den Wernlin. Und dieses Buch schätzt man als „Who’s who“ der Schweizer Banken. Jetzt hat Woernle, ein Deutscher, das Buchschreiben aufgegeben, der graumelierte Herr berät aber weiter steinreiche Kunden der Banque Baring Brothers. Auf den Fluren hängen Ölgemälde, schwere Teppiche schlucken die Schritte. „Baring in Genf geht es wunderbar“, erzählt er: „Die Petrodollar helfen, das Geld aus Saudi-Arabien und Kuwait kommt zu uns.“ Vom Fenster seines Büros sieht der Besucher drei verschleierte Frauen; sie huschen in den Fonds einer Maybach-Limousine.

Deutsche Kunden bei Barings? Ja, es gibt ein paar. Die meisten Reichen aus Hamburg oder München, die in der Schweiz ihr Geld unterbringen wollen, ziehe es jedoch nach Zürich. Und das Bankgeheimnis? Glaubt er, dass diese Schutzvorrichtung in 20 Jahren noch existiert? „Vielleicht gibt es das offizielle Bankgeheimnis in 20 Jahren nicht mehr“, unkt Woernle. „Wir werden dann aber trotzdem nichts sagen, wir sind so trainiert – der Schweizer Bankier redet nicht.“


» Gewusst wie: Die steuerliche Selbstanzeige


Woernle ist sich auch in einem anderen Punkt sicher: „Genf bleibt die Bastion der Vermögensverwaltung.“ Die Stadt am Westzipfel begann ihren Aufstieg im 16. Jahrhundert. Die Einwohner – imprägniert durch die strenge Ethik des Reformators Jean Calvin – strebten wie selbstverständlich nach materiellem Erfolg. Galt „le succès“ doch als göttlicher Gunstbeweis. Im Gefolge der Reformation fanden in Genf vertriebene Protestanten aus ganz Europa Zuflucht, Bankiers aus Italien und Frankreich entfalteten ihr Können.

Heute ziehen die Banken neben vermögenden Kunden auch Größen der internationalen Politik an. Ex-Uno-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Annan unterhält beste Beziehungen zu Pictet.

Ein anderer Friedensnobelpreisträger, Al Gore, geht auf Tuchfühlung mit Lombard Odier Darier Hentsch (LODH). Die Firma des Ex-US-Vizepräsidenten, Generation Investment Management, und die alte Bank kooperieren, umweltfreundlich und nachhaltig wollen sie sein. Präsentiert wird der Pakt mit Gore am Genfer Flughafen. Thierry Lombard, einer der LODH-Chefs streift kurz die „schwierigen Zeiten an den Aktienmärkten“ – zu den Angriffen auf das Bankgeheimnis sagt er nichts. Die Freude über den PR-Coup mit dem berühmten Amerikaner will sich Lombard nicht vermiesen lassen. Al Gore betont mit staatstragendem Gestus die „great honour“, die er jetzt fühle.

Auf die Frage, wer denn auf wen zugegangen sei, antwortet Lombard: Die Bank habe Gore ausgesucht. Genauso wie es sich für feine Genfer Privatbankiers geziemt.

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