Eigenkapitalregelungen: Aufseher treiben Sparkassen in die Klemme

Eigenkapitalregelungen
Aufseher treiben Sparkassen in die Klemme

Mit zusätzlichem Eigenkapital sollen die Institute künftig ihr Engagement bei Landesbanken und Versicherern unterlegen. Damit bleibt jedoch immer weniger Spielraum für ihre Kernfunktionen.
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BerlinVon einer Kreditklemme ist bei den Unternehmen in Deutschland bislang nichts zu spüren. Das ist auch ein Verdienst der 425 Sparkassen, die ihre Kreditvergabe im vergangenen Jahr sogar noch ausdehnten. Aber das könnte die längste Zeit so gewesen sein. Denn nach den neuen Eigenkapitalregeln unter dem Stichwort „Basel III“, die die EU-Kommission in Brüssel derzeit verbindlich für alle EU-Mitgliedstaaten umsetzt, deuten sich neue Belastungen an.

Konkret geht es dabei um Beteiligungen, die Sparkassen häufig über ihre regionalen Verbände halten – dazu zählen Landesbanken, Versicherer und Bausparkassen. Diese müssen derzeit nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Pläne der EU-Kommission sehen aber vor, dass die Beteiligungen den Sparkassen ab dem Jahr 2013 direkt zugerechnet und mit Kapital unterlegt werden sollen. Damit werden auch Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise gezogen, da sich die Beteiligungen als besonders risikoträchtig erwiesen haben. Der Nachteil: Es fehlt Kapital für neue Kredite.

Vor einem „massiven Eigenkapitalverzehr“ warnt der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider. Er stellt folgende Modellrechnung für seinen Verband auf, der beispielsweise mit gut 40 Prozent an der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) beteiligt ist: „Bei einem Gesamtkapital unserer 53 Sparkassen von rund 15 Milliarden Euro würden aktuell rund vier Milliarden Euro abzugspflichtig – Kapital, das zur Unterlegung von Mittelstandskrediten nicht mehr zur Verfügung stehen würde“, sagt Schneider dem Handelsblatt. In Baden-Württemberg bestehe die Gefahr, dass die Sparkassen künftig erst dann neue Kredite vergeben könnten, wenn alte zurückgezahlt seien. Hinzu kämen weitere Belastungen aus dem Reformpaket Basel III.

Bundesweit könnte die Unterlegungspflicht für Beteiligungen ein Fünftel des Kernkapitals der Sparkassen oder zehn Milliarden Euro binden, hat der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) berechnet. Da Kredite künftig mit 10,5 Prozent Eigenkapital unterlegt werden müssen, steht ein Kreditvergabepotenzial von mehr als 100 Milliarden Euro auf dem Spiel. „Es ist falsch, finanzwirtschaftlichen Verbünden, die in der Krise stabilisierend gewirkt haben, durch regulatorische Maßnahmen bei der Kapitalanrechnung wesentliche Kreditspielräume zu nehmen“, wettert DSGV-Präsident Heinrich Haasis.

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„Unterschiedliche Selbstwahrnehmung der Sparkassen“

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  • Das muss man erst einmal verstehen! Aber kann man das überhaupt verstehen?

    Eine Sparkasse, die sich an einer Landesbank beteiligt soll dieses Asset mit Eigenkapital unterlegen. Dieses Eigenkapital ist dann gefährdet,, wenn die Assets der Landesbank selbst gefährdet sind. Hierfür hat die Bank selbst die Eigenkapitalunterlegungen zu bewerkstelligen. Das ist klar und verständlich.

    Unklar ist aber, weshalb die Sparkasse jetzt nochmals Eigenkaital binden soll. Der Gedankengang ist doch krank und es ist unverständlich, über welchen Lobbyismus man derartiges erreichen kann. Es ist an der Zeit den Resetknopf in der Bankenaufsicht zu drücken und endlich sinnvolle und effiziente Regelungen schaffen.

    Dazu gehört die Schaffung einer Bankenaufsicht mit bankaufsichtlichen Regelungen, die Krisen entgegen wirken und alle Bankengruppen gleich behandeln. Unsinniges muss wieder abgeschafft und sinnvolles eingeführt werden.

    BASEL muss abgeschafft, abgelöst werden. Amerikaner, die anfänglich die Fahne für die Denkidelogie mit hoch hielten, haben sich schon lange abgewandt. In Deutschland ist dies seit dem Zeitpunkt nicht mehr vorstellbar, als die zahlreichen Berater und Beratungsgesellschaften dies als neues, einkommensstarkes Geschäftsfeld mit Unterstützung der BAFin erkannt haben.

    Man muss sich vor Augen halten, dass die jährlichen Kosten aufgrund dieser Aktivitäten die Verluste früherer Jahre um ein Vielfaches übersteigen und die Risiken/Verluste dennoch geblieben sind.

    Was los ist, zeigen die Stellenanzeigen. Es werden kaum noch Leute gesucht, die produktiv für die Bank Arbeiten. Gesucht werden immer mehr Leute, die die noch produktiv arbeitenden Bereich begleiten und motivieren. Es ist pervers was da entstanden ist. Es gilt innezuhalten, noch einmal vernünftig zu denken und fachkundig zu handeln.

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