Die französische Großbank Crédit Agricole zieht nach erneuten Verlusten ihrer Investmentbank-Tochter Calyon die Reißleine. Neben der Kapitalerhöhung um 5,9 Mrd. Euro verkündete die genossenschaftliche Bankengruppe am Dienstag eine Strategiewende. Die Investmentbank Calyon soll auf ihre „Kernkompetenzen zurückgeführt“ werden, ferner sollen die Fixkosten „signifikant gesenkt werden, teilte die börsennotierte Mutter Crédit Agricole SA mit.
PARIS. Im Klartext: Bei Calyon werden massiv Stellen abgebaut. Ferner will die Bank ihr Portfolio an Aktivitäten überprüfen; Verkäufe scheinen nicht ausgeschlossen. Calyon-Chef Mark Litzler soll nach übereinstimmenden Pressemeldungen die Führung der Investmentbank abgeben. Nachfolger wird Patrick Valroff, bisher Chef der Spezialfinanzdienstleistungen (u.a. Konsumentenkredite). Auch Bank-Chef Georges Pauget gilt nun als schwer angeschlagen. Eine Sprecherin wollte den Wechsel an der Calyon-Spitze nicht kommentieren.
Damit gibt Frankreichs nach Börsenwert gerechnet drittgrößte Großbank ihre Ambition auf, auf einer Augenhöhe mit Konkurrenten wie BNP Paribas und Société Générale zu stehen. Nach der Übernahme der mit Staatsgeldern sanierten Crédit Lyonnais sollte mit der fusionierten Investmentsparte Calyon ein neuer Player der europäischen Top-Liga entstehen.
Stattdessen zehrt die Investmentsparte mit ihren Verlusten die Gewinne aus dem Stammgeschäft Retail-Banking auf: Im ersten Quartal verzeichnete Calyon 1,2 Mrd. Euro Einnahmeverluste im Zuge der Subprime-Krise; damit fiel der Quartalsgewinn der Mutter Crédit Agricole SA um 66 Prozent auf 892 Mill. Euro – mit so wenig hatten selbst die größten Pessimisten nicht gerechnet. Weitere Details sollen am Donnerstag vorgelegt werden.
Die genossenschaftlichen Mitgliedsbanken haben nun offenbar genug: Im Zuge der Kapitalerhöhung stutzen sie das Mutterinstitut ordentlich zurecht. Denn in den Jahren 2007 und 2008 summieren sich die Verluste der konzerneigenen Investmentbank im Zuge der Finanzkrise auf mittlerweile 4,5 Mrd. Euro. Das ist der höchste Wert aller französischen Banken.
Es sind die Mitgliedsbanken, die für diese Verluste geradestehen. Sie haben dem Spitzeninstitut Crédit Agricole SA bereits 3,6 Mrd. Euro frisches Kapital fest zugesagt, um zu verhindern, dass die neuen Eigenkapitalregeln Basel II tiefe Löcher in der Bilanz des Spitzeninstitut reißen.
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Nun müssen die Mitgliedsbanken der Mutter im Zuge der angekündigten Kapitalerhöhung nochmal mindestens 3,2 Mrd. Euro hinblättern, damit die Agrarbanker ihren Anteil von 54 Prozent am börsennotierten Spitzeninstitut halten können. Wie es in Bank-Kreisen heißt, wollen die Mitgliedsbanken die Kapitalstärkung gar zu 100 Prozent garantieren.
Wie es in Finanzkreisen heißt, war den genossenschaftlichen Banken schon länger die Ambitionen des Spitzeninstituts im Investment-Banking suspekt. Nun setzen sie das Messer an. Die Analysten des Brokers CM-CIC Securities vermuten, dass die Sparte Capital Markets wohl am stärkten zurückgefahren werden dürfte.
Gerade diese Sparte sollte Litzler ausbauen, als er im Jahr 2004 von der Société Générale abgeworben war. Dort hatte Litzler mit großem Erfolg das Geschäft mit Aktienderivaten aufgebaut. Diesen Erfolg sollte er bei Calyon wiederholen.
Wie es in Paris heißt, soll Litzler indes darauf gebaut haben, dass die globale Finanzkrise schnell vorbei geht. Entsprechend aggressiv soll sein strategischer Kurs gewesen sein, für dieses Jahr sollte internen Planungen zufolge der Umsatz um 20 Prozent zulegen.
Daraus dürfte nichts werden. Künftig wird sich Calyon primär auf die alte Stärke, das Finanzierungsgeschäft, konzentrieren. Ein Trost: Im Zuge der Finanzkrise sind hier die Margen wieder gestiegen.

