Der Mehrheitseigentümer Swiss Life nimmt den Finanzvertrieb AWD an die kurze Leine. Der Schweizer Versicherer ist nach Informationen aus Unternehmenskreisen alarmiert wegen hoher Kosten bei der deutschen Tochter. Analysten erwarten bei AWD einen Gewinneinbruch.
FRANKFURT. AWD
-Chef Carsten Maschmeyer war zuletzt sehr ausgabefreudig, obwohl der Verkauf von Finanzprodukten schlecht läuft. Er investierte viel Geld in eine Anwerbe- und Haltekampagne für Vermittler, in Fernseh- und Zeitungswerbung sowie in die 20-Jahres-Feier. Swiss Life
will nun für "Planungs- und Kostendisziplin" sorgen. Dafür reicht dem Swiss-Life-Chef Bruno Pfister der AWD
-Aufsichtsratsvorsitz nicht.
Um die "Hand auf den AWD" zu legen, wurde ein siebenköpfiger Lenkungsausschuss geschaffen. Darin repräsentieren neben Pfister der Deutschland-Chef Manfred Behrens, der Schweiz-Chef Paul Müller sowie Finanzvorstand Thomas Müller die neuen Mehrheitseigentümer. Die AWD
-Seite vertreten Maschmeyer, Finanzvorstand Nils Frowein und Vertriebsvorstand Wilhelm Zsifkovits. Bereits ein Dutzend Projekte ist auf den Weg gebracht, um Swiss Life
und AWD
künftig enger zu verzahnen. Ziel der Schweizer ist es, dass langfristig Swiss-Life-Produkte einen Anteil von bis zu 30 Prozent im AWD
-Vertrieb haben. Für das Neugeschäft in Deutschland peilen sie zunächst zehn Prozent an.
Die Schweizer haben Anfang März für 86 Prozent an AWD
knapp eine Mrd. Euro bezahlt. Die Familie Maschmeyer hält noch 10,5 Prozent, der Rest ist in Streubesitz. Auf das Maschmeyer-Paket hat Swiss Life
ein Vorkaufsrecht zum Preis von 30 Euro pro Aktie. Diese Option kann zwischen 2010 und 2017 gezogen werden.
Doch schon vorher könnte AWD
von der Börse genommen werden. In Hannover wollte ein Sprecher davon nichts wissen, in der Schweiz wird dies nicht ausgeschlossen. Für Swiss Life
hätte dies den Vorteil, dass schlechte AWD
-Zahlen künftig weniger stark auffallen würden.

