In Sizilien wird der Aufstand der Banco di Sicilia vor allem mit dem aktuellen Wahlkampf in der Region erklärt. Schließlich schien sich der Präsident Mancuso Chancen auszurechnen, den amtierenden Vorsitzenden Gouverneur der Region Sizilien Salvatore Cuffaro beerben zu können, den ein Gericht am Freitag wegen Begünstigung von der Mafia nahestenden Personen zu fünf Jahren Haft verurteilt hat. Um bei den sizilianischen Wählern zu punkten, will sich Mancuso mit seinem Aufstand gegen die Banker aus Mailand besonders heimattreu zeigen. Ein stolzer Sizilianer, der sich nicht von irgendwelchen Nordlichtern kommandieren lässt. Womit Mancuso wohl nicht gerechnet hat, ist, dass sich Cuffaro trotz Verurteilung bisher weigert, seinen Posten zu räumen.
Profumo könnte auch auf Konfrontationskurs gehen und auf einer außerordentlichen Hauptversammlung die Führungsriege entlassen. Schließlich gehört ihm die Banco di Sicilia zu 100 Prozent. Bisher versucht er noch, eine "nicht traumatische Lösung" zu finden, wie es die Bank offiziell formuliert.
So ist auch der Besuch des umstrittenen Politikers Cuffaro zu werten: ein Zeichen der Diplomatie in stürmischen Zeiten. Um die zarte sizilianische Seele nicht zu sehr zu strapazieren, ließ Profumo nach dem Besuch wissen, er erwäge, das Kreditvolumen für die sizilianischen Unternehmer zu erhöhen. Zudem darf die Region auch in Zukunft zwei der insgesamt elf Mitglieder des Verwaltungsrats der Banco di Sicilia ernennen. Weitere zwei darf die Stiftung der Bank bestimmen. Die Konzernmutter ernennt damit immer noch die Mehrheit - und die stolzen Sizilianer können ihr Gesicht wahren.

