Der deutsche Finanzplatz ist in Bewegung: Ausländische Häuser, die direkt oder indirekt von der Finanzkrise betroffen sind, fahren ihr Engagement in Deutschland zurück oder stellen es ein. Institute, die nahezu schadlos durch die Turbulenzen kommen und vergleichsweise einfache Produkte anbieten, bauen ihre Präsenz aus - aber nicht alle sind erfolgreich.
Das Finanzviertel in Frankfurt. Banken anderer Länder scheitern häufig am deutschen System. Foto: AP
FRANKFURT. Ricardo Laiseca glaubt, auf dem deutschen Markt genau richtig zu sein: "Deutsche Investoren sind konservativ und wollen exzellente Kreditqualität", sagt der Global-Markets-Chef der spanischen Bank BBVA und verweist auf genau diese Qualitäten seines Hauses. Damit möchte er in Deutschland groß ins Investment- und Firmenkundengeschäft einsteigen. In den letzten Wochen hat BBVA in Düsseldorf und Frankfurt erstmals zwei Büros in Deutschland eröffnet.
Während etwa Wachovia, die ABN-Hypothekensparte AAHG oder GMAC Financial Services ihr Deutschlandgeschäft einstampften und der Citibank ähnliche Pläne nachgesagt werden, pushen Banken wie die BBVA, ICICI, Santander oder Fortis ihre Aktivitäten. "Vor allem im Retail-Bereich stellen sich einige ausländische Häuser stärker auf", sagt Jens Tolckmitt vom Verband der Auslandsbanken. Dort spricht man von einer "regen Bewegung" auf dem Finanzmarkt.
Die spanische Bank Santander übernahm in den vergangenen Wochen zunächst die Finanzsparte des US-Mischkonzerns General Electric, dann folgte das Konsumkredit- und Kreditkartengeschäft der Royal Bank of Scotland. Die Santander Consumer Bank, wie die Deutschland-Tochter heißt, zählt jetzt mehr als fünf Millionen Privatkunden und liegt auf Augenhöhe mit der Commerzbank. Nicht umsonst verkündet Deutschland-Chef Andreas Finkenberg: "Wir rücken in die erste Liga auf."
"Wir sehen hier gewaltiges Potenzial", sagt auch Kundapur Vaman Kamat von der indischen ICICI, die seit einigen Wochen um Privatkunden in Deutschland kämpft. Ähnliches versucht die isländische Kaupthing, die vor allem über hohe Zinsen jenseits der fünf Prozent Privatkunden lockt.
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Die Stärkung des Retail-Bereichs passt zu Erkenntnissen einer neuen Studie der Deutschen Bank. "Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Kunden grenzüberschreitende Dienstleistungen vermehrt in Anspruch nehmen", heißt es dort. Dabei sind international aufgestellte Banken im Vorteil. Neben dem Retail-Bereich sehen ausländische Institute im klassischen Corporate-Finance-Geschäft gute Chancen in Deutschland.
Im Gegenzug schrumpfen Institute, die sich auf von der Krise besonders betroffene Finanzprodukte spezialisiert haben. So stellt die US-Bank Wachovia ihr Deutschlandgeschäft fast komplett ein. Das viertgrößte Geldhaus in den USA hat vier seiner fünf deutschen Niederlassungen im April geschlossen, lediglich die Frankfurter Dependance arbeitet weiter. Noch vor zwei Jahren hatte die Bank angekündigt, bis 2011 Marktführer für gewerbliche Immobilienfinanzierungen in Deutschland werden zu wollen. Vor allem der schlecht laufende Markt für Kreditverbriefungen hat diese Pläne vereitelt.
Auch GMAC Financial Services und die zu ABN Amro gehörende Hypothekentochter AAHG haben ihr Neugeschäft in Deutschland praktisch eingestellt. Beide verweisen auf die teurer gewordene Refinanzierung für ihre Immobilienkredite.
Das Geschäft der ausländischen Investmentbanken in Deutschland wird in diesem Jahr erstmals seit längerem wieder schrumpfen. Stefan Winter, Vorstandsmitglied von UBS Deutschland und Vizechef des Verbands der Auslandsbanken, rechnet mit einem Rückgang im zweistelligen Prozentbereich. Das ändert offenbar nichts daran, dass der Standort für ausländische Geldhäuser attraktiv bleibt.
Vergangenes Jahr stieg die Zahl der ausländischen Banken in Deutschland auf den Rekordwert von 205. "Wir sehen keine Tendenz, dass der Trend sich dreht", sagt Verbandsmann Tolckmitt. BBVA-Vorstand Laiseca wird diese Einschätzung teilen. Sein Haus jedenfalls will in Deutschland in den nächsten drei Jahren um mindestens 25 Prozent wachsen.

