Ein toter Banker, Opus Dei und der Parmalat-Skandal. Der jüngste Mord in Italien hat alles, was zu einem landestypischen Krimi dazugehört. Am Freitag hat die Polizei den verstümmelten Körper des Gründers des Finanzdienstleisters Akros Finanziaria, Gianmario Roveraro, gefunden.
Der Tod Roveraros lässt Erinnerungen an Roberto Calvi aufkommen, dessen Banco Ambrosiano mit seinen illegalen Geschäften Anfang der 80er-Jahre in die Pleite schlitterte. Calvi, der wegen seiner engen Beziehungen zum Chef der Vatikanbank, Paul Markinkus, „Gottes Banker“ genannt wurde, wird im Juni 1982 tot aufgefunden – erhängt unter der Brücke der schwarzen Mönche in London.
Roveraro dagegen fand sein Ende auf den Feldern wenige Kilometer von der Provinzstadt Parma entfernt. Der ehemalige Hochspringer Roveraro war keiner, der das Rampenlicht suchte, sondern eher im Stillen arbeitete. Er galt als seriöser, strenggläubiger Katholik. Mensch. Zuletzt gesehen wurde Roveraro bei einem Treffen von Opus Dei am 5. Juli in Mailand.
Zunächst sah alles danach aus, als habe ein enttäuschter Geschäftspartner namens Filippo Botteri den Banker Roveraro entführt, um das Geld zu erpressen, das er durch ein misslungenes Finanzinvestment in Österreich verloren hatte. Doch nun häufen sich die Anzeichen, dass vielleicht mehr hinter dem Fall steckt. Roveraro könnte tiefer als bisher bekannt in den Skandal um den vor dreieinhalb Jahren zusammengebrochenen Lebensmittelkonzern Parmalat verwickelt sein. Roveraro, ein enger Freund des Parmalat-Gründers Calisto Tanzi, hatte das Unternehmen mit seiner Bank Akros vor zehn Jahren beim Börsengang begleitet. Doch wie die italienischen Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“ am gestrigen Dienstag berichtete, könnte die Hilfestellung auch noch während des größten Bilanzskandals der italienischen Unternehmensgeschichte angedauert haben. Ein Zeuge, der im Mittelpunkt des missratenen Geschäfts in Österreich stand, soll ausgesagt haben, der Entführer Botteri habe den Banker Roveraro bezichtigt, Parmalat-Konten bei der schweizerischen UBS versteckt zu haben. Nun gehen die Ermittlungen weiter.
Opus Dei hat sich zu den möglichen Verwicklungen ihres Mitglieds in Finanzskandale nicht geäußert. Die Gläubigen von Opus Dei hätten derzeit nur den „Wunsch, den Schmerz der Familie Roveraro zu teilen“.

