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04.08.2008 
Weniger Abschlüsse

Einbruch bei Versicherern

von Thomas Schmitt

Ob Kranken- oder Lebenspolice: Das Kerngeschäft der deutschen Versicherungen läuft immer schlechter. Schuld an der Misere sind vor allem die Finanzkrise und neue Gesetze, sagen die Versicherer. Dabei könnte vor allem eine effiziente Organisation die Verluste abschwächen.

Intensivere Beratung sorgt für Gewinneinbrüche bei den Versicherern. Foto: dpaLupe

Intensivere Beratung sorgt für Gewinneinbrüche bei den Versicherern. Foto: dpa

FRANKFURT. Die Versicherer haben im ersten Halbjahr nicht nur unter der Börsenbaisse gelitten. In Deutschland läuft auch das Kerngeschäft schlecht. Darauf deuten inoffizielle Zahlen des Branchenverbands GDV hin. Nach Informationen aus Branchenkreisen wurden im ersten Halbjahr nur 3,1 Mill. Lebensversicherungsverträge (einschließlich Riester- und Basisrente) neu eingelöst. Das heißt, dass der Kunde nach dem Vertragsabschluss auch die erste Rate bezahlt hat. Das entspricht gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Minus von 7,7 Prozent. Besonders dramatisch brach der Riester-Verkauf ein: Die Zahl der neu eingelösten Riester-Verträge betrug 790 000 Stück. Das sind 14 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2007.

Da die Sparraten dieser Verträge niedrig sind, wird dies in der Branche als Hinweis für ein schlechtes Massengeschäft gewertet. Damit der Vertrieb auf seine Zahlen kommt, müssen also die Vertragssummen erhöht werden. Manche retten sich auch immer mehr durch Einmalverträge.

Noch schlechter läuft es nach Brancheninformationen in der Krankenversicherung. Dieses Geschäft leidet unter der Gesundheitsreform, die den Zustrom zu den Privaten aufgehalten hat. Einerseits sind die Kunden verunsichert, andererseits müssen manche nun länger warten, bis sie wechseln dürfen.

Eine weitere Ursache für das miese Geschäft sind die neuen Gesetze und Regeln für Vermittler, die EU-Vermittlerrichtlinie und das neue Versicherungsvertragsgesetz (VVG). Berater berichten, dass sich der Aufwand pro Kunde in der Autoversicherung verfünffacht habe. Kein Vertrieb kann sich den Papierbergen entziehen, mit denen nun die eigene Tätigkeit dokumentiert werden muss. Hinzu kommen höhere Anforderungen an die Qualifikation der Berater, was zu umfangreichen Schulungen geführt hat. Vertriebsexperten schätzen den durch gesetzliche Regelungen verursachten Mehraufwand der Berater auf mehr als eine Stunde pro Tag oder 50 Prozent pro Kunde.

Die Folge: Es bleibt weniger Zeit für Abschlüsse, der Vermittler verdient weniger und damit in der Folge auch der Versicherer. „Eine zentrale Herausforderung jedes Unternehmens wird daher sein, die Prozesse und Abläufe am Beraterarbeitsplatz so effizient wie möglich zu gestalten“, sagt MLP-Vertriebsvorstand Gerhard Frieg.

Am besten kommt mit dem bürokratischen Mehraufwand klar, wer früh seine Prozesse automatisiert hat und sich effizienter aufgestellt hat. So spürt die Huk-Coburg zwar die erhöhten Belastungen, merkt aber keine Geschäftseinbußen.

Hingegen trifft die Finanzkrise alle. Sie führt zu weniger Kapitalerträgen und verunsichert die Kunden. Diese kaufen weniger aktienorientierte Produkte wie Fonds und scheuen langfristige Ausgaben auch wegen steigender Energiekosten. „Die Leute müssen sich einschränken und schieben Entscheidungen hinaus“, stellt OVB-Vorstand Jürgen Kotulla fest.

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