WGZ-Bank-Chef Werner Böhnke über die Vertriebsinitiative der Genossenschaftsbanken, das Interesse an der Mittelstandsbank IKB, das Verhältnis zu DZ Bank und die Risiken für sein Institut durch die Subprime-Krise.
Frage: Die Volks- und Raiffeisenbanken leiden derzeit unter Ertragsschwächen im Kerngeschäft. Vor allem die Direktbanken machen ihnen schwer zu schaffen. Wie sehen Sie die Genossen im Markt aufgestellt?
Böhnke: Es ist richtig, dass die Erträge wieder steigen müssen. Die Primärbanken bewegen sich in einem umkämpften Markt. Insgesamt ist aber unsere genossenschaftliche Bankengruppe in ihren Kernmärkten gut aufgestellt. Entwicklungsbedarf erkennen wir beispielsweise bei der Nutzung elektronischer Vertriebswege, aber auch in der gezielten bundesweiten Ansprache der Kunden. Die Primärbanken mahnen zu Recht entsprechende Initiativen an, auf die wir reagieren.
Also die Vertriebsinitiative, die sich die WGZ 50 Millionen Euro kosten lässt?
Genau. Der Wettbewerb hat an Intensität zugenommen in der Finanzbranche und wir wollen unsere Primärbanken mit dieser Initiative dort unterstützen, wo wir am meisten Nutzen stiften können, nämlich am Markt. Wir wollen damit auch ein klares Signal für die Arbeit mit unseren Mitgliedsbanken und den Kunden setzen.
Was wollen sie dort genau tun?
Zunächst einmal geht es um die technische Infrastruktur, vor allem um eine Weiterentwicklung des Online-Bankings, die zu unserer Gruppe passt. Und dann entwickeln wir derzeit innovative Passivprodukte. Die ersten könnten wir bereits Ende des Jahres unseren Banken anbieten.
Welche Produkte könnten das sein?
Da sind wir noch in der Abstimmung mit den Primärbanken. Es werden voraussichtlich Zertifikate und Sparbriefe mit Grundverzinsung.
Welche weiteren Maßnahmen sind geplant?
Wir können uns durchaus vorstellen, unsere Banken dabei mit einer Werbekampagne zu unterstützten, so es denn von unseren Anteilseignern gewünscht wird.
Ist dies als Angriff auf die DZ-Bank zu verstehen?
Nein, das wäre doch Unsinn. Wir arbeiten miteinander, und nicht gegeneinander. Es geht hier nicht um DZ oder WGZ sondern um die wirklich drängenden Angelegenheiten unserer Gruppe. Und die Kernfrage lautet: Wir können wir vor dem Hintergrund des sich verändernden Wettbewerbsumfeldes noch mehr aus unseren Marktchancen schöpfen. Das erwarten unsere Kunden von uns.
Die Fusion von DG-Hyp und Münchener Hypothekenbank ist gerade gescheitert, was bedeutet das Ihrer Meinung nach für den Verbund?
Das ist sicherlich bedauerlich, aber zunächst Sache der beteiligten Parteien und ihrer Eigentümer. Wir wollen uns da nicht einmischen. Noch einmal, wir müssen aufpassen, dass wir über strukturellen Fragen des Verbundes nicht unsere Kernaufgaben vernachlässigen, und die heißen Markt und Kunden.
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Bei der DZ-Bank ist mit dem Weggang von Heinz Hilgert einer der letzten engen Brixner-Vertrauten im Vorstand des Frankfurter Spitzeninstituts gegangen. Hilft dies bei erneuten Fusionsbestrebungen?
Das ist ein Thema außerhalb der WGZ-Bank. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich dazu nicht äußern möchte. Der Versuchung, die Fusionsdiskussion wieder einmal neu anzufachen, sollten wir widerstehen. Eine Fusion steht bei uns derzeit nicht auf der Agenda. Das Wohl und Wehe der Gruppe hängt nicht von einer Fusion der Zentralinstitute ab.Diese Diskussion hat unsere Organisation lange beschäftigt. Und sie hat bisweilen von den eigentlichen Fragen, nämlich denen nach der Steigerung der Ertragskraft der Primärstufe und der Gestaltung ihrer erfolgreichen Zukunft, abgelenkt. Wir sollten uns zunächst diesen Dingen widmen.
Sowohl die WGZ als auch die DZ haben Interesse an der angeschlagenen IKB bekundet. Wie weit sind Sie da?
Wenn die KfW eine Veräußerung auch offiziell in Betracht zieht, so gilt für uns: Kein Thema kann es nicht sein, aber es wäre erstrebenswert, das gemeinsam mit der DZ-Bank anzugehen. Allerdings steht der Verkauf des Instituts laut KfW ja sowieso erst in einem Jahr an.
Ist die Subprime-Krise Ihrer Meinung nach beendet?
Das ist schwer zu sagen. Die Märkte haben sich zwar insgesamt beruhigt, auch wenn in einigen Marktsegmenten nach wie vor kein Handel stattfindet. Es liegen noch zu viele Unwägbarkeiten über der weiteren Entwicklung in den USA.
Sie haben Ihren Fonds für allgemeine Bankrisiken bereits beim Jahresabschluss 2006 um 110 Mill. Euro aufgestockt. Befürchten Sie Marktrisiken durch die Subprime-Krise?
Schon zur Jahresmitte haben wir betont, keine Risiken aus Subprime-Investements zu haben. Wir stocken seit Jahren unsere Rücklagen deutlich auf und stärken damit die Substanz unseres Unternehmens. Unsere gute Ertragslage eröffnet uns hier die entsprechenden Spielräume.
Und was machen Sie damit?
Mit dem kräftigen Eigenkapitalaufbau erweitern wir unsere Geschäftsmöglichkeiten. Wir legen das Geld zunächst vorsichtig und nach wie vor sehr konservativ auf dem Interbankenmarkt an. Aber auch im klassischen Geschäft mit dem Mittelstand konnten und können wir unsere gute Marktposition weiter ausbauen. Damit leisten wir den besten Beitrag für den Erfolg unserer Eigentümer.
Der Mittelstand fürchtet um den Zugang zu Krediten…
Bei unseren Volks- und Raiffeisenbanken wird es für den Mittelstand gewiss keine Einschränkungen in den Finanzierungsmöglichkeiten geben. Nur weil es eine sogenannte Subprime-Krise und deren Nachwehen gibt, werden wir doch das hiesige Kerngeschäft nicht vernachlässigen! Da werden Sorgen diskutiert, die jedenfalls mit Blick auf unsere Bankengruppe nicht gerechtfertigt sind.
Gehören Sie zu den Profiteuren der Krise?
Kurzfristig kann es keine Profiteure aus den Verwerfungen an den Geld- und Kapitalmärkten eben. Es ist noch zu früh, darüber in der langen Sicht ein Urteil zu fällen, da muss mindestens noch ein halbes Jahr vergehen. Erste Ergebnisse wird man wohl erst im September 2008 sehen. Wir in der WGZ Bank sehen uns auf jeden Fall in unserer Aufstellung und mit unseren konservativen und strengen Bewertungsmaßstäben auch nach der so genannten Subprime-Krise bestätigt. Das wissen auch unsere Kunden.
Sehen Sie ihr Ergebnis durch die Krise belastet?
Nein. Wir halten fest an unserer im Herbst aufgestellten Prognose. Wir sehen uns weiter auf Kurs.

