Ruben Wardanian stammt aus Armenien und ist Chef der russischen Investmentbank Troika Dialog. Er führte das erst 1992 gegründete Unternehmen unter die fünf besten Banken des Landes, Wardanian selbst ist einer der Top-Manager in Russland. Heute setzt er sich selbst für die Ausbildung von Bankern ein, denn auch wenn die Gehälter in der Investment-Metropole Moskau höher sind als an der Wall Street - Fachkräfte fehlen noch immer.
MOSKAU. Als Ruben Wardanian 23 Jahre alt ist, setzt er sich in sein kleines Büro in Moskau und legt ein großes Blatt Papier vor sich. Nach reiflicher Überlegung macht er eine Checkliste, wie er es an der Uni gelernt hat. Am Ende schreibt er: "Ich habe kein Produkt, keine Kunden, keine Erfahrung, und es gibt keine Regeln." Was tun? Der Boss der Dialog-Bank hat den Studienabgänger gerade beauftragt, eine Investmentbank aufzubauen und zu führen. "Wenn ich damals gewusst hätte, was es wirklich heißt, Investmentbanker zu sein, wäre ich vielleicht aufgestanden und weggelaufen", sagt er heute lachend.
Damals - das war 1992 - hat er die Checkliste beiseite und einfach losgelegt. Die Sowjetunion ist gerade zusammengekracht, und nur eine Hand voll Menschen in Russland kennen den Unterschied zwischen Aktien und Anleihen. Er und seine wenigen Mitarbeiter warten an den Metrostationen und bieten den Passanten Bargeld für Privatisierungsgutscheine an. Ein Knochenjob: Grundkurs Kapitalismus.
Heute ist Wardanian immer noch Chef der Bank - und einer ihrer Haupteigentümer. Troika Dialog gehört inzwischen zu den Top Fünf der Branche in Russland. Der kleine stämmige Mann aus Armenien mit dem schwarzen Vollbart und den blitzenden dunklen Augen kann sich immer noch mit einem fast ungläubigen Staunen über seinen Erfolg freuen. Er hat es geschafft. Und wie: Im großen Sitzungszimmer des Troika-Hauptquartiers am edlen Romanow-Weg im Moskauer Zentrum hängt die Wand voller Auszeichnungen aus den vergangenen zehn Jahren: "beste Bank des Jahres", "bester Manager Russlands". Das Geschäft brummt; die Eigenkapitalrendite liegt bei 70 Prozent, und Investmentbanker in Moskau verdienen inzwischen doppelt so viel wie ihre Kollegen in New York. Moskau ist dank der Ölhausse der vergangenen Jahre zum lukrativen Standort der großen Investmentbanken geworden. Troika hat 2006 die Mitarbeiterzahl von 400 auf 1000 mehr als verdoppelt.
Wardanian ist heute 38 Jahre alt; Zeit für Neues. So gründet er die erste internationale MBA-Schule in Russland. Er wird ihr Präsident sein. Eine ganze Reihe Oligarchen, also die postsowjetischen Reichen, gibt Geld. Und Staatspräsident Wladimir Putin hat der Schule den Rang eines "nationalen Projekts" verliehen - höher aufgehängt kann in seinem Reich kein Vorhaben sein. Warum die Schule? Ganz einfach: "Russland hat nicht genug gute Manager", sagt Wardanian.
Eine Reihe von Defiziten hat das Land inzwischen überwunden: Es gibt heute Geld und Investitionsmöglichkeiten. Die nötigen Technologien lassen sich auf dem Weltmarkt kaufen. Nur es fehle an gut ausgebildeten Spezialisten, die dann auch das Richtige daraus machen, meint Wardanian. "Es ist eine Illusion, wenn Leute sagen, dass Russlands Potenzial in seinen gut ausgebildeten Menschen liegt", erklärt er. Die meisten fürchteten sich zudem immer noch davor, für etwas Verantwortung zu übernehmen. "Es gibt unter den russischen Managern viele Clevere, die wissen, wie man Geld macht, nur wie man heute ein Business aufbaut und führt, haben sie nicht gelernt."
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