JP Morgan
ist bereit, für die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns
den fünffachen Kaufpreis zahlen. Mit dem höheren Kaufpreis will Morgan Chase
offenbar erboste Aktionäre von Bear Stearns
besänftigen, welche sich gegen die Übernahme zu dem ursprünglichen Preis gewehrt hatten.
NEW YORK. Die Wall Street entwickelt sich in Zeiten der Finanzkrise zum Basar. Die US-Großbank JP Morgan
Chase hat ihr Angebot zur Übernahme der angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns
gestern verfünffacht, um die massiven Proteste von Beschäftigten und Großaktionären einzudämmen. Die Bank werde jetzt zehn Dollar pro Aktie statt der bislang zugesagten zwei Dollar bezahlen, teilten die Banken gestern in einer gemeinsamen Erklärung mit.
In einem ersten Schritt werde JP Morgan
95 Millionen neue Bear-Stearns-Aktien von der Investmentbank kaufen und damit knapp 40 Prozent der Anteile am Konkurrenten übernehmen, hieß es. Dies ist möglich, weil im US-Bundesstaat Delaware, in dem beide Finanzhäuser als Aktiengesellschaften eingetragen sind, Anteilsverkäufe bis zu 40 Prozent nicht der Zustimmung der Aktionäre bedürfen.
Eine höhere Offerte war an der Wall Street erwartet worden; Bear-Stearns-Aktien hatten vergangene Woche bereits kräftig zugelegt. Gestern sprang der Kurs um mehr als 120 Prozent auf zeitweise über 13 Dollar - Anzeichen dafür, dass Investoren auch die spektakulär höhere Offerte noch nicht für das letzte Wort halten.
Die US-Notenbank Fed hatte vor gut einer Woche gemeinsam mit JP Morgan
den Notverkauf von Bear Stearns
eingefädelt. Ziel war es, eine große Bankenpleite und eine drohende Kettenreaktion im fragilen Finanzsystem zu verhindern. Allerdings wurde Bear Stearns
bei diesem Deal um 93 Prozent niedriger bewertet als noch zu Beginn des Monats. Der nun ausgehandelte höhere Kaufpreis, der die kleinste der fünf Wall-Street-Banken mit rund 1,2 Mrd. Dollar bewertet, soll in erster Linie die aufgebrachte Stimmung bei den Mitarbeitern beruhigen. Der Preis sei immer noch "katastrophal niedrig", sagte George Ball vom Brokerhaus Sanders Morris Harris. Die Erhöhung werde aber die Haltung des Bear- Stearns-Personals zur Übernahme ändern. JP-Morgan-Chef James Dimon müsse diese Mitarbeiter auf seine Seite bringen, betonte Ball. Die Banker von Bear Stearns
halten mehr als ein Drittel der Aktien und sind damit in der Lage, die Übernahme gemeinsam mit anderen Großinvestoren zu blockieren.
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