Einstieg in Indien: Deutsche Börse geht auf Bombay zu

Einstieg in Indien
Deutsche Börse geht auf Bombay zu

Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse macht den Weg zum Einstieg in Indien frei. Indiens Börsen ziehen derzeit die Aufmerksamkeit renditehungriger Anleger aus aller Welt auf sich. Die Frankfurter müssen sich gegen harte Konkurrenz durchsetzen.

FRANKFURT / DEHLI. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse hat dem Vorstand am Montag grünes Licht für einen Einstieg bei der Bombay Stock Exchange (BSE) gegeben. „Der Einstieg ist zwar noch nicht in trockenen Tüchern, aber schon weit durchverhandelt“, hieß es in Finanzkreisen. Erwartet werde eine Entscheidung über die Privatsierung der BSE durch die indischen Behörden frühestens in zwei Monaten. Die Deutsche Börse wollte sich dazu nicht äußern.

Indiens Börsen ziehen derzeit die Aufmerksamkeit renditehungriger Anleger aus aller Welt auf sich. Das lockt auch strategische Investoren an, die sich bei den Börsenbetreibern einkaufen wollen. Dabei müssen sich die Frankfurter gegen harte Konkurrenz der Nasdaq, der London Stock Exchange (LSE) und der Börse Singapur durchsetzen. Für alle ist dies die vorerst letzte Chance, eine der bedeutenden indische Handelsplattform an sich zu binden. Das Quartett musste im Januar mit ansehen, wie die Börse New York (Nyse) strategischer Investor bei der Bombay National Stock Exchange (NSE) wurde.

Die Nyse zahlte 115 Mill. Dollar für einen Fünf-Prozent-Anteil. Eine größere Beteiligung erlaubt die Zentralbank als Börsenregulierer einem Ausländern nicht. Auch Frankfurt wird sich im Falle eines Zuschlags mit solch einer Schnupperbeteiligung abfinden müssen. Dass westliche Börsen dies in der Hoffnung auf einen künftig liberaleren Regulierungsrahmen willig tun, unterstreicht Indiens Attraktivität. „Denen geht es um einen Fuß in der Tür zu einem boomenden Markt“, sagte ein indischer Broker.

In Indien ist das Wachstum noch lange nicht ausgereizt. Zwar zählt das Land dank seiner relativ entwickelten Kapitalmärkte bereits zu den wenigen Schwellenländern, deren Marktkapitalisierung das Bruttoinlandsprodukt übertrifft. Doch erst vier Prozent der Haushaltsersparnisse sind in Aktien angelegt. Der Wirtschaftsboom führt außerdem zu einem kräftigen Anstieg der Börsengänge. Deren Zahl hat sich im Vorjahr gegenüber 2005 auf 73 verdoppelt.

Nach der reinen Anzahl getätigter Handelsgeschäfte war die NSE im Vorjahr weltweit bereits Nummer drei hinter Nyse und Nasdaq. Die Trades zeigten bei ihr ein Plus von 33 Prozent, bei der Nyse nur eines von drei Prozent. Die BSE kam immerhin auf Platz sechs weltweit, mit einem Plus von 28 Prozent. Sie ist Asiens älteste Börse, an der heute 3 500 Firmen mit einer kombinierten Marktkapitalisierung von über 800 Mrd. Dollar gelistet sind. Doch die Traditions-Börse ist weit hinter den Emporkömmling NSE zurückgefallen. Der erst 1994 von großen Finanzinstituten gegründete Rivale wickelt inzwischen 70 Prozent des indischen Börsenhandels ab. Das tägliche Handelsvolumen der NSE beträgt im Schnitt über zwei Mrd. Dollar – doppelt so viel wie bei der BSE.

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