Morgan-Stanley
-Topmanagerin Zoe Cruz, einst best bezahlteste Bankerin an der Wall Street, wurde die Subprime-Krise zum Verhängnis. Nach ihrem überraschenden Rauswurf rechnen Analysten an der Wall Street nun damit, dass das Institut weitaus größere Verluste aus der Hypothekenkrise erleiden könnte als bislang angenommen.
NEW YORK. So beziffert Brad Hintz, Experte beim Investmenthaus Sanford Bernstein in New York, den Abschreibungsbedarf auf riskante Kreditderivate im vierten Quartal auf 4,9 Mrd. Dollar. Das ist etwa ein Drittel mehr, als die Investmentbank bislang eingeräumt hat. Morgan Stanley
hatte bisher Verluste von 3,7 Mrd. Dollar signalisiert und den Buchwert seiner mit Hypotheken gesicherten Kreditderivate auf sechs Mrd. Dollar beziffert.
Bild für Bild: Die Opfer der Subprime-Krise
Konzernchef John Mack löste Cruz als Ko-Präsidentin des Instituts ab und ersetzte sie durch den Investmentbanker Walid Chammah und den Chef des Brokergeschäfts, James Gorman. Cruz war für das Anleihegeschäft (Fixed Income) verantwortlich und stand nach unerwartet hohen Verlusten durch Hypothekenanleihen im Kreuzfeuer der Kritik. Mit einem Jahresgehalt von 30 Mill. Dollar im vergangenen Jahr war sie die bestbezahlte Bankerin an der Wall Street und galt als potenzielle Nachfolgerin von Mack. Cruz reiht sich ein in eine Liste von Managern, die über die sogenannte Subprime-Krise gestolpert sind. Dazu gehören Citigroup
-Chef Charles Prince, Merrill Lynch-Boss
Stanley O?Neal, der UBS
-Vorstandsvorsitzende Peter Wuffli und Bear-Stearns-Präsident Warren Spector.
Die Spitzenbankerin übernimmt auch einen Teil jener Verantwortung, die beim Vorstandschef Mack liegt. War er es doch, der Morgan Stanley
zu einem aggressiveren Vorgehen im Handel mit riskanten Kreditderivaten gedrängt hat. Die Position von Mack scheint jedoch nicht gefährdet zu sein.
Die 52-Jährige war innerhalb der Bank nicht nur wegen der Hypothekenverluste umstritten. Cruz stand in der Kritik, weil sie sich 2005 im Machtkampf um die Konzerführung auf die Seite des später gefeuerten Morgan-Chefs Philip Purcell geschlagen hatte. Ihre beiden Nachfolger gelten dagegen als die kommenden Stars der Bank.

